Halt doch mal die Klappe!

Halt doch mal die Klappe!

Warum Du schweigen lernen solltest…

Ich bin eine Frau und damit stolze Trägerin des Quassel-Gens. Das kann ich nicht leugnen, wir Frauen haben einfach immer etwas zu erzählen. Und glauben, zu allem etwas sagen zu müssen.

Jobbedingt bin ich viel auf facebook unterwegs. Vor ein paar Jahren hatte ich das dringende Bedürfnis, mich überall einzumischen. Kann ja schließlich nicht sein, dass die Menschen nicht wissen, dass Trockenfutter ungesund für den Hund ist und dass Aluminium in Deos krebserregend. Oder zum Impfthema, auch extrem beliebt.

An solchen Diskussionen konnte ich mich sehr erheitern und mich richtig darüber aufregen. Aber es gibt keine Lösung. Jeder hat seinen Standpunkt. Und gerade im Social Media Bereich sind Shitstorms und wilde Beschimpfungen an der Tagesordnung.

Weshalb tun wir uns das an?

Irgendwann begann ich, häufiger über die immer wiederkehrenden, immer gleich endenden Fettnäpfchen-Themen hinwegzuscrollen. Es wurde mir schlicht zu langweilig. Wenn nicht gerade ein Freund beteiligt war, warum sollte es mich interessieren, was zig andere mir fremde Menschen über ein Thema denken? Zu dem ich bereits meine Meinung habe?

Ich schweige häufiger als früher. Ich lerne, mir meine Ressourcen besser einzuteilen.

Diskussionen können immens förderlich für die Beziehung sein, aber sie kosten Kraft, wenn sie in einen Kampf ausarten.

Inzwischen bin ich über 40. Und hier kommt eine unliebsame Erkenntnis: Unsere Ressourcen sind endlich. Unsere Zeit ist endlich. Und ENDLICH habe ich verstanden, dass ich damit haushalten muss und will.

Auch im realen Leben diskutiere ich nicht mehr überall mit. Es ist ein heilsames Schweigen, manchmal auch höfliches Nicken, welches mir Raum für mich selbst gibt.

Es schenkt mir auch die Erkenntnis, dass ich schon durch verdammt viele Themen durchgegangen bin, mit schmerzenden Blessuren genauso wie mit tollen Geschichten. Mir wird bewusst, dass ich eine Meinung habe, weil ich vieles erlebt habe. Die Weisheit der Wechseljahre? Vielleicht.

Auf jeden Fall ist es ein Reichtum, den ich vorher nie wahrnahm.

Unsere Kinder sind ja jetzt schon häufig genervt, wenn wir aus unserem reichhaltigen Erfahrungsschatz erzählen und sie augenrollend davon abhalten wollen, die erste Zigarette zu rauchen oder sich in jemanden zu verlieben, der Drogen verkauft. Sie wollen doch ihre eigenen Erfahrungen machen, so wie wir auch.

Um den Kontakt zu unseren Sprösslingen nicht zu verlieren, ist Schweigen ein gutes Mittel. Sie werden schon kommen, wenn was ist. Vertrauen, Zuspruch und Halt sind wichtiger als in einer Diskussion zu ersticken, die niemand gewinnen kann.

Ich werde auch schon mal über eine kreative Wortschöpfung für „Ich hab es Dir doch gesagt“ nachdenken. Vielleicht einfach nur in den Arm nehmen und schweigen!

Schweigen schafft Raum

Schweigen hat eine ungeahnte Kraft. Hältst Du es aus, in einem Gespräch zu schweigen? Du schenkst damit dem anderen Zeit und Raum, seine Gedanken zu ordnen und Dir mitzuteilen.

Überhaupt sollten wir uns viel öfter wirklich unterhalten und nicht nur selbst reden hören wollen. Hören, was der andere zwischen den Zeilen sagt, setzt voraus, dass wir selbst schweigen und aufnehmen. Innerlich und äußerlich.

Der Impuls, sofort zu antworten oder einen Rat-„Schlag“ zu servieren, ist groß. Doch versuche, in einem Deiner nächsten Gespräche den anderen reden zu lassen und warte ein paar Sekunden. Blicke ihn einfach nur an und schweige. Oft folgt noch viel mehr Spannendes von Deinem Gegenüber. Dein Gesprächspartner wird sich gut aufgehoben fühlen. Er braucht oft gar keine Tipps, sondern nur eine zugewandte, ehrlich interessierte Person.

Schweigen ist nicht einfach! Wie oft liege ich abends wach, weil meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Sie sind unter anderem Ausdruck von viel zu viel reden, sabbeln und quatschen den ganzen Tag. Meine Gedanken zum Schweigen bringen – das wünsche ich mir häufig. Ruhe um mich herum hilft mir dabei sehr. Als äußerste Ablenkung gestatte ich mir ein Buch, aber bewusst kein Smartphone oder sogar Fernsehen, wo noch mehr sinnlos gebrabbelt wird.

Die Kunst, den Mund zu halten – das kannst Du täglich üben.

Wir sind es gewohnt, auf alles sofort eine Antwort zu haben. Aber das ist unnötig! Wir können uns die Zeit und den Raum nehmen, zu schweigen, nachzudenken und erst dann eine angemessene Antwort zu geben. Es wirkt klar, bewusst und entlastend.

Das heißt natürlich nicht, dass Du wichtige Themen rigoros ausblendest und nichts sagst. Es ist wichtig, sich eine fundierte Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Starke Frauen wissen, in welchem Kreis sie besser schweigend kommunizieren.

Es gab mal einen griechischen Philosophen namens Plutarch von Charonea, der angeblich sagte (wer weiß das schon so genau):

„Zur rechten Zeit zu schweigen, ist ein Zeichen der Weisheit und oft besser als jede Rede.“

Wirst Du mit den Jahren auch gelassener, was die täglichen Diskussionen angeht? Ich freue mich, wenn Du uns in den Kommentaren teilhaben lässt.

Herzliche Grüße, Deine Silke

Silke Schön
Silke Schön

Silke Schön lebt mit ihrer Familie und einem kleinen Hund im Sauerland. Sie hält sich viel in den Sozialen Medien auf, auch für Kunden. Zudem liebt sie es, Gastartikel für ihre Lieblingsblogs zu schreiben. Ihr neues Herzensbusiness ist die Leidenschaft für frische Naturkosmetik von Ringana, die sie mit absolut reinem Gewissen empfiehlt. Mehr Infos gibt es unter freshee.de

Silke Schön
Silke Schön

Silke Schön lebt mit ihrer Familie und einem kleinen Hund im Sauerland. Sie hält sich viel in den Sozialen Medien auf, auch für Kunden. Zudem liebt sie es, Gastartikel für ihre Lieblingsblogs zu schreiben. Ihr neues Herzensbusiness ist die Leidenschaft für frische Naturkosmetik von Ringana, die sie mit absolut reinem Gewissen empfiehlt. Mehr Infos gibt es unter freshee.de

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

4 Gedanken zu „Halt doch mal die Klappe!“

  1. Ein Thema zu dem ich mich regelmäßig Ausschweige ist Homöopathie. Ich kann nur bestätigen, wie entspannend es ist, auf gewisse Trigger vom Gegenüber NICHT zu reagieren. Jedem das seine lassen, Toleranz und Gelassenheit sind mir sehr wichtig geworden. LG Ines

    Antworten
  2. Wunderbar gesagt liebe Silke 🙂
    Ich habe letztens dazu auch einen fabelhaft wahren Satz gelesen: Der klügste Mensch am Tisch ist der, der schweigt. Alle anderen wiederholen nur, was sie sowieso schon wissen.
    Und was mir noch dazu einfällt: In solchen Diskussionen vergessen wir gerne, dass andere Menschen ganz andere Erfahrungen und „Learnings“ im Leben gemacht haben. Nur, weil ein Drittklässler lesen kann, heißt es noch lange nicht, dass er Shakespeare versteht. Ich versuche mich immer daran zu erinnern wenn ich in fruchtlose Diskussionen einsteigen möchte. Inzwischen kann ich es viel öfter bleiben lassen 😀

    Liebe Grüße
    Susanne

    Antworten

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