Muss ich jetzt echt nett werden?

Muss ich jetzt echt nett werden?

Wer sich krampfhaft auf jugendlich trimmt, strahlt irgendwann eher Bedürftigkeit aus, findet unsere Kolumnistin Alexandra Loos und fragt sich, ob "nett werden" jetzt die einzige Chance ist.

Vielleicht hilft aber auch noch was anderes, damit uns die oberflächlichen Idioten da draußen dezent an der Schulter vorbeigehen. Die monatliche Kolumne über den täglichen Wahnsinn, wenn frau schon etwas länger jung ist.

Ich muss jetzt mal langsam nett werden, ich bin nicht ewig hübsch.

Wo auch immer dieser Satz meine Wege gekreuzt hat, er ist haften geblieben.

Und in meinem Fall dummerweise auch ziemlich treffend, denn der Lack ist ab und der Putz bröckelt zusehends.

Früher wurden mir Launen, Zickereien und Trotzphasen problemlos verziehen, denn ich war eine optische Granate und hatte sehr sexy Kurven. Diese Vorteile setzte ich natürlich schamlos ein, vor allem bei den Männern.

Der kesse Charme meiner jugendlichen Schönheit, das Schmollschnütchen und das dümmliche Augenklimpern waren Methoden, mit denen ich meinen Willen durchgesetzt und mir Wege geebnet habe.

Was mit einer straffen Gesichtshaut und festen Konturen noch apart und reizend ist, wird mit dem längeren Jung sein eher zu einer Farce.

Jetzt muss ich mit Charme und Nettigkeit punkten, denn auf Klimper-Wimpern kann ich nimmer setzen, das käme mittlerweile ziemlich albern rüber.

Wer schon mal Duckfaces mit einer Aura von Plissee in den Sozialen Medien gesehen hat, weiß, wovon ich rede.

Versteh mich nicht falsch, ich bin eine Freundin von ästhetischen Eingriffen und diversen Methoden, um dem körperlichen Verfall ein wenig Einhalt gebieten zu können. Auch finde ich die Aussage, dass sich frau ab einem gewissen Alter nicht mehr in Jeans und Chucks auf die Straße wagen sollte, selten bekloppt und bekomme immer einen kleinen Tobsuchtsanfall, wenn wieder einer sowas sagt.

Was ich aber ziemlich bescheuert finde, sind Ladies, die sich krampfhaft auf jugendlich trimmen und dabei nicht merken, dass es sie älter macht und immer ein Hauch von Bedürftigkeit mitschwingt.

Dieser Ansicht war vor mehr als 100 Jahren auch schon einer meiner Lieblingsautoren, das Enfant Terrible Oscar Wilde.

„Zuviel Schminke und zu wenig Kleider an, das ist bei einer Frau immer ein Zeichen von Verzweiflung.“ Oscar Wilde

Klar, Jugend ist was Feines und die Optik einer 25 oder 35-jährigen ist eben eine andere als die einer Fiftysomething-Lady.

Aber…und zwar das ganz große: Wir Queens haben doch ein ganz anderes Standing und eine hochwertigere Lebensqualität.

Zumindest geht es mir so und ich mag mich trotz Nougathüften, Wampi de Luxe und diversen Plissees im Antlitz wesentlich lieber.

Und genau das ist doch auch das, was wichtig ist.

Wenn ich mich nur dann gut finde, wenn ich die Beauty Queen vom Heustadl bin und mein Wohlempfinden an meinem Äußeren festmache, wird meine Umwelt und das andere Geschlecht automatisch auch diesen Weg beschreiten.

Dann werde ich bei nachlassender Schönheit ausgemustert und fühl mich hinterher richtig beschissen, weil ich als Mensch nicht gesehen wurde. Weder von den anderen, noch von mir.

Dann ruft das Skalpell und tiefe Ausschnitt. No Thanks! Aus dem Karussell bin ich ausgestiegen und bevorzuge es, mich selbst zu lieben.

Nur dann können mich auch andere lieben und wertschätzen, bringen mir Achtung entgegen und ertragen mich auch mit dickem Po in Yogapants.

Daher mache ich mir am 14. Februar, dem Tag der Liebe, selbst ein grenzgeniales Geschenk: Ich schenk mir eine saucoole LMAA Einstellung gegenüber allem, was mich in eine Form pressen will, in die ich nicht hinein passe.

Ok, ich schenk mir bestimmt auch Nachschub für die Nougathüften und ein ausgiebiges Beauty Treatment, bei dem es mehr um das Seelennascherli als um die Rückgewinnung meiner straffen Haut geht. Wobei das ein cooler Nebeneffekt sein kann und dem Ego Auftrieb verschafft.

Daher meine Happy Valentines Message an alle Königinnen da draußen: ME FIRST!

Denn erst, wenn es Dir gut geht und Du Dich selbst liebst, klasse findest und das auch ausstrahlst, können Dir die oberflächlichen Idioten da draußen mal dezent an der Schulter vorbei gehen.

In diesem Sinne: stay tuned & keep on going.

Deine Alex

Beitragsbild: depositphotos.com @RobHainer

Alex Loos
Alex Loos

Alexandra Loos ist seit 1989 selbstständig und Expertin für Verkauf, Image-Marketing, Kommunikation & High Performance. Ihre Leidenschaft gilt dem Vermitteln von Methoden, um als Frau selbstsicher und charismatisch im Business auftreten und entspannt verkaufen zu können. Vom Hidden Experte zum überzeugenden Auftritt Deiner Personal Brand. www.alexandra-loos.com

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Alexandra Loos ist seit 1989 selbstständig und Expertin für Verkauf, Image-Marketing, Kommunikation & High Performance. Ihre Leidenschaft gilt dem Vermitteln von Methoden, um als Frau selbstsicher und charismatisch im Business auftreten und entspannt verkaufen zu können. Vom Hidden Experte zum überzeugenden Auftritt Deiner Personal Brand. www.alexandra-loos.com

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

2 Gedanken zu „Muss ich jetzt echt nett werden?“

  1. Soooo wunderbar geschrieben. Ich liebe Deinen Humor und Deine Ehrlichkeit! Den Satz „Ich muss jetzt mal langsam nett werden, ich bin nicht ewig hübsch„ habe ich mir direkt als neuen Lieblingsspruch notiert. Ich habe so viel gelacht beim Lesen. Einfach herrlich erfrischend

    Antworten
  2. @Claudia…vielen lieben Dank. Ich hau eben raus, wie es mir durch die grauen Zellen wuselt. Manchmal muss lovely Gela dann ein wenig Drive raus nehmen, wenn ich mal wieder zu direkt bin
    Die nächste Klumne steht schin in den Startlöchern und erblickt dann im März das flirrende Licht der virtuellen Welt.

    Antworten

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