Eisbaden

Ice, Ice Baby – Eisbaden als Selbstversuch

Eisbaden? Wer tut sich denn sowas an? 6 gute Gründe von Stressresistenz bis Glücksgefühl, warum auch Du mal in die Eistonne steigen solltest.
Inhaltsverzeichnis

Der neue “heiße” Scheiss ist das Baden in eiskaltem Wasser. Blinde können wieder sehen, Lahme wieder gehen. Das, was früher nur Extremsportler und Einsiedler taten, nämlich am Neujahrsmorgen in das kalte Meer springen, ist der neueste Gesundheitstrend.

Aber was ist wirklich dran am Eisbaden und wie fühlt es sich an? Ich habe den heroischen Selbsttest gewagt.

Diese Vorteile bringt das regelmäßige Baden in extremer Kälte

Man muss schon ziemlich bekloppt sein, um sich freiwillig 2-3 Minuten in eiskaltes Wasser nahe dem Gefrierpunkt zu hocken. Dafür muss es verdammt gute Gründe geben.

Eisbaden macht stressresistenter

Um dem normalen Wahnsinn des Alltags zu trotzen, braucht Dein Körper Stress. Moment mal, wir haben doch alle genug Stress? Ja, von diesem schlechten, unausweichlichen Druck schon, deshalb haben wir auch zu viel Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol im Blut, die klassischen Stresshormone. Unsere körpereigenen Entspannungsmechanismen werden durch den Dauerstress immer wirkungsloser, deshalb ist das Setzen kurzer Reize so enorm wichtig, um unser eigenes System optimal zu trainieren.

Kurze, aber dafür extreme Reize stressen den Körper, aber geben ihm auch die Chance, sich wieder entspannt zu regenerieren. Stelle Dir das gerne vor wie bei der freiwilligen Feuerwehr. 

Wenn die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner untrainiert im Dauereinsatz sind, wird über kurz oder lang das Löschen des nächsten Hausbrandes ein Desaster, weil alle vollkommen erschöpft oder überdreht sind. Können die Einsatzkräfte immer wieder alle Abläufe kurz und ohne Druck trainieren, sind sie bestens für alle Arten von Einsatz gerüstet. Logisch, oder?

Diese kurzen, aber extremen Reize sind der Saunagang, der Bungeesprung, die kalte Dusche oder das besagte Eisbaden.

Eisbaden wirkt entzündungshemmend

Die Ursache fast aller chronischen Erkrankungen sind Entzündungen im Körper, sogenannte “Silent inflammations”. Sie laufen im Untergrund ab, sind im Blutbild nicht ohne weiteres feststellbar, aber schädigen Dich enorm.

Die extreme Kälte führt dazu, dass Dein Körper Kortikoide, entzündungshemmende Stoffe, ausschüttet. Gleichzeitig wird die Durchblutung nach dem Eisbad vom Körper enorm gesteigert, so dass die Kortikoide auch rasch im Körper verteilt werden.

Eisbaden stärkt das Immunsystem

Die Anzahl der weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, wird durch das Baden in extrem kaltem Wasser, nachweislich gesteigert. Diese Polizisten sind eine Eliteeinheit Deiner Abwehr. Auch ihre Einsatzfähigkeit profitiert von diesem Regulationstraining aus Kälte und Wärme.

Durch den Kältereiz wird auch TSH, das Schilddrüsenhormon, vermehrt ausgeschüttet, was wiederum zu einer Stoffwechselanregung führt. Dein Körper läuft einfach runder, alle körpereigenen Mechanismen funktionieren reibungsloser.

Eisbaden sorgt für eine bessere Regeneration

Spitzensportler schwören auf den Sprung ins kalte Nass, um die Regenerationsphase ihrer Muskeln deutlich zu verkürzen. Die beim Training entstandenen muskulären Mikrotraumata heilen durch den extremen Kältereiz deutlich schneller. Die verbesserte Durchblutung versorgt die beanspruchten Muskeln vermehrt mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Eisbaden fördert Deine Willensstärke

Wer einmal in einer Tonne voller Eiswürfel saß, weiß: “Ich kann alles, wenn ich es nur will.” Du spürst, was möglich ist, wenn der Papagei im Kopf mal den Schnabel halten muss. Deine mentale Zielstrebigkeit wächst mit jedem Grad, um das das Thermometer fällt.

Eisbaden sorgt für Glücksgefühle

Dein Körper produziert durch den Kälteschock einen genialen Cocktail aus rezeptfreien Drogen, den Endorphinen. Du fühlst Dich euphorisch, bist regelrecht high und könntest die Welt umarmen.

Von der Theorie zur Praxis des Eisbadens

Meine liebe Freundin und Kollegin Stephie, mit der ich zusammen den Podcast “2 Apothekerinnen für alle Fälle” aufnehme,  geht in den kalten Pool im Freien, stellt sich in die Kältekammer und duscht abends vor dem Zubettgehen kalt. Das grenzt an Körperverletzung, dachte ich zumindest.

Ich bin eine bekennende Warmduscherin. Ich liebe es kuschelig, kalte Füße sind mein Endgegner und ich trage ganzjährig Unterhemden. Stephies Erzählungen von der Kryokammer und der Wim Hof Methode hielt ich für in meiner Welt unrealistische Spinnereien.

Und doch war ich fasziniert. Es siegte die Neugier, als mich eine Anzeige bei Facebook für ein Wim Hof Seminar in Oldenburg ansprang. Eine professionelle Anleitung inklusive der Möglichkeit, das Eisbaden direkt zu testen, direkt in meiner Nähe – das musste ein Zeichen sein. In einem Moment der geistigen Verwirrung buchte ich dieses Seminar.

Todesmutig erzählte ich in meiner Familie und in meinem Freundeskreis von meinem Vorhaben, damit ich ja keinen Rückzieher machen konnte. Es war aber klar für mich, dass ich es als Versuch sehe und auch ein Scheitern für mich okay wäre.

Im Vorfeld war ein Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand auszufüllen, ohne den eine Teilnahme nicht möglich wäre. So gesund ein Eisbad auch sein kann, es gibt durchaus auch Kontraindikationen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Migräne, Epilepsie oder auch eine bestehende Schwangerschaft. Generell solltest Du Dich immer gut fühlen und fit sein, wenn Du Dich extremen Reizen aussetzt.

Ich begann nach meiner verbindlichen Anmeldung mit dem kalten Duschen morgens. In kleinen Schritten steigerte ich den Kälteschock, fing also langsam an. Ich war schon sehr stolz auf mich, dass ich überhaupt den Mut hatte, den Temperaturregler meiner Dusche auf irgendwas unter 40 Grad Celsius zu drehen.

Und dann war ich drin

Am Seminartag selbst startete ich mit gemischten Gefühlen. Ich freute mich auf alles, was kommen sollte, aber wir hatten die Empfehlung bekommen, möglichst vor den Atemübungen nüchtern zu bleiben. Das ging ja gut los, wo ich doch so ein Frühstücksfan bin.

Wir trafen uns in einem Yoga Studio, jeder bekam eine Matte mit Decke und dann starteten um die 20 Frauen und Männer ins Abenteuer Eisbaden. 

Wim Hof, bekannt als The Iceman, ist Extremsportler und Weltrekordhalter im Eisbaden. Er besteigt den Mount Everest in der Shorts oder liegt über eine Stunde in Eiswürfeln. Okay, nach diesen Infos fühlte ich mich wie auf einem anderen Stern. Ich verfluchte meine Spontaneität, die mich nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten brachte.

Zuerst machten wir Atemübungen, allein dafür war das Seminar schon der Burner. Was wir im Alltag als Reflex nicht beachten, ist für unser Leben ein Gamechanger. Deine Atmung verrät Dir soviel und lässt Dich neue Bewusstseinsebenen betreten. Mir wurde in dieser geführten Atemmediation klar, wo ich in meinem Leben noch loslassen und die Kontrolle aufgeben darf.

Als nächsten Programmpunkt haben wir uns mental auf das Eisbad vorbereitet. Unser Seminarleiter hat uns die Aufwärmtaktik von Wim Hof gezeigt, durch die das Blut nach dem Eisbad möglichst schnell wieder erwärmt wird, damit sich durch ein langsames Vermischen von kaltem und warmen Blut nicht Deine Körpertemperatur zu stark absenkt und Du den Rest des Tages frierst.

Wir übten das Aufwärmen und stellten uns immer wieder vor, wie wir einer nach dem anderen ins Eisbad steigen. Die beiden Eisbäder waren aus organisatorischen Gründen in der Tiefgarage des Yoga Studios aufgestellt, so dass wir also bereits leichtbekleidet in Badeanzug, Shorts und Bademantel zum Abenteuer Eisbad aufbrachen.

Keiner muss ins Eisbad, das ist rein freiwillig.” Ich fühlte mich absolut frei in meiner Entscheidung, denn für mich war klar, dass ich das niemals machen werde. Aber erstmal bin ich mit runter in die Garage – und es war da schon so kalt. Wir füllten noch Eiswürfel in die Bottiche, damit die Temperatur des Wassers noch ein bisschen sinken konnte.

Und nun standen wir da, bewegten uns alle im Rhythmus und nach und nach stiegen immer zwei Personen ins Eisbad. Julian, unser Seminarleiter, coachte jeden persönlich und erinnerte an Atemtechnik und Mindset. “Loslassen, ruhig atmen und lächeln!” Plötzlich stand auch ich nur im Badeanzug vor der Eistonne und ohne zu zögern stieg ich nach Anweisung hinein. 

Schock, atmen, atmen, setzen. Im Eisbad hatte ich das Gefühl, ich würde bei jedem langsamen Atemzug schweben. Es war unbeschreiblich. Die zwei Minuten waren rausgerückt aus Zeit und Raum.

Wieder draußen ging das Aufwärmen los, was mit der Methode nach Wim Hof hervorragend gelang. Ich fühlte mich großartig, voller Adrenalin und Endorphinen.

Yes, I did it!

Stimmen von anderen Eisbären

„Seid ihr denn bekloppt?“ Das ernte ich häufig als Reaktion, wenn ich erzähle, dass mein Mann und ich seit 2 Jahren 1x die Woche in kalte Gewässer gehen – auch im Winter und zwar ohne Neoprenanzug!

Und dann kommt als nächstes die Frage: „Warum tut ihr euch das an?“

Das ist eine gute und berechtigte Frage, weil es bei Minus-Außentemperatur und eiskaltem Wasser eine echte Herausforderung ist – auch für uns noch. Und genau das Überwinden dieser Schwellenangst und dem Gefühl, „Oh, nein, das geht nicht“ hilft uns im Alltag unangenehme Dinge anzugehen und die bequeme Komfortzone immer wieder zu verlassen. Es stärkt quasi die Mentalkraft. Außerdem tut das Eisbaden nicht nur dem Geist, sondern auch dem Körper und der Seele gut: Wir können vorher noch so schlecht drauf und gestresst sein, nach unserem Kaltbaden sind wir immer gut gelaunt und entspannt. Mir hat es sogar schon mal meine Migräne weggezaubert! Wir möchten es auf keinen Fall mehr missen!

(Aloka Wunderwald, Yoga Menobalance Coach und Lemondays Redakteurin)

Die Kälte ist für mich ein Weg, um mentale Stärke zu entwickeln, indem ich über bewusstes Atmen in die Ruhe komme. Kälte und Atmung in Kombination bringen mich direkt in den Moment, in die Präsenz, was das Ziel vieler Meditationsarten ist. Im Eisbad erreiche ich diesen meditativen Zustand in 30 Sekunden und dann ist da einfach nur Stille in mir.

(Isabel Brandau, Gesundheitsberaterin)

Ich liebe Eisbaden, weil es mir die Möglichkeit gibt, mich ohne Umwege total ins Hier und Jetzt zu versetzen, absolute Präsenz zu sein. Mich 100% zu spüren und bewusst an meine Grenzen gehen zu können. Im Eisbaden finde ich eine gedankliche Stille, die mir Inspiration gibt für mein Leben.

(Julian von Düffel, Wim Hof Instructor)

Ich liebe es, nach dem ersten “Schock” im Hier und Jetzt anzukommen. Das Nervensystem reagiert sofort und ich bin nur bei mir mit einer faszinierenden Klarheit. Es ist jedes Mal eine geistige Anstrengung, mit mir zu arbeiten und mich im Unangenehmen zu entspannen. Das führt zu einem unfassbaren Wohlbefinden.

(Dr. Stephanie Röhm, Apothekerin)

Was sich seit dem ersten Eisbad für mich geändert hat

Ich war seit dem Seminar leider noch nicht wieder im Eisbad. Wir waren zwar über Weihnachten in Dänemark an der Nordsee, aber die Wellen waren so wild, dass ich mich nicht ins Meer getraut habe.

Aber ich dusche jetzt jeden Morgen kalt. Wirklich kalt. Nachdem ich erst warm geduscht habe. Und mein Mann hat zu Weihnachten…na, rate mal…einen Gutschein für die Teilnahme am Wim Hof Seminar mit Julian von Düffel bekommen.

Vor ein paar Tagen habe ich dann auch noch eine Eistonne bestellt, die Ende Januar geliefert werden soll. Was dann passiert, wir werden sehen. 

Ansonsten haben wir einen wunderbaren neuen coolen Laubbehälter.

Alles Liebe, Ann-Katrin

Foto: Canva

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

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