Fasten als Jungbrunnen

Fasten als Jungbrunnen? Ja, aber… (die Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin)

Fasten ist in einigen Kulturen und Religionen Tradition und ein altbewährtes Mittel, um unser (Körper-)System zu reinigen. Inwiefern es als Jungbrunnen funktionieren kann und was die TCM davon hält, erfährst du in diesem Artikel.

Als ich mein neues Buch „Vom Glück entspannt älter zu werden“ geschrieben habe, gab es ein Thema, auf das ich in meiner Recherche über die Forschung zu einem langen, gesunden Leben immer wieder gestoßen bin: das Fasten als Verjüngungskur für unsere Zellen.

Regelmäßige Fastenzeiten sowie insgesamt weniger zu essen, also kleinere Portionen, können das Leben verlängern. In diesem Artikel möchte ich mit dir die Sicht der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) auf das Thema Fasten teilen und dir ein paar konkrete Tipps für sicheres und gesundes Fasten mitgeben.

Besonders Intervallfasten ist modern und beliebt, um schnell abzunehmen. Dabei gibt es verschiedene Varianten: vom 16:8-Fasten (16 Stunden nichts essen, 8 Stunden essen) bis zu 1:0 in 2 (einen Tag essen, einen Tag nichts essen). Gerade die 1:0-Variante erscheint mir sehr extrem zu sein und ist aus meiner Sicht für die meisten Menschen nicht geeignet.

Falls du die 16:8-Methode ausprobieren möchtest, würde ich lieber das Abendessen als das Frühstück weglassen. In der TCM ist das Frühstück –im Idealfall gekocht – die wichtigste Mahlzeit des Tages, da am Morgen unsere Verdauungsorgane am meisten Energie haben und dein Körper das Essen sehr gut verwerten kann (um Qi, also Lebensenergie, daraus zu gewinnen). Am Abend ab ca. 19 Uhr funktioniert dieser Prozess viel schlechter, weshalb ein frühes und leichtes Abendessen empfehlenswert ist. Erklärt wird das in der TCM mit der Organuhr, nach der alle Organe zwei Stunden am Tag ihre energetische Hoch-Zeit haben und 12 Stunden danach ihre energetische Tief-Zeit. In diesem Video erfährst du mehr über die Organuhr und wie du sie nach TCM nutzen kannst.

Interessanterweise wird in der TCM auch eine Art intermittierendes Fasten empfohlen, einfach durch das frühe Abendessen! Ich esse zum Beispiel mein Abendessen an den meisten Tagen vor 19 Uhr und frühstücke gegen 8 Uhr. Das sind also 13 Stunden Pause, in denen sich meine Verdauung in der Nacht erholen kann. Wenn ich mal später zu Abend esse oder auch eine schwer bekömmliche, große Mahlzeit esse, merke ich, dass mein Schlaf weniger erholsam ist und die Verdauung am nächsten Tag etwas leidet.

In der westlichen Forschung spricht man vom zirkadianen Rhythmus oder der „inneren Uhr“. Am Morgen werden durch den Sonnenaufgang in unserem Körper bestimmte Hormone aktiviert und der Körper braucht etwas zu essen. Nichts zu frühstücken erzeugt inneren Stress. Das entspricht genau den Empfehlungen der TCM zur Wichtigkeit des Frühstücks, nur dass es dort Organuhr heißt!

Konkrete Tipps aus der TCM zum Fasten allgemein

  • Wähle lieber eine sanfte Methode, etwa mit Gemüsesuppen, Reis oder dem Auslassen des Abendessens.
  • Suche dir bei strengen Fastenkuren wie Saftfasten oder 1:0-Intervallfasten unbedingt eine kompetente Begleitung, wie etwa in einem Fastenhotel oder bei einem erfahrenen Arzt.
  • Trinke beim Fasten warmes Wasser oder Tees und iss warme, gekochte Speisen. Durch das Reduzieren von Kalorien kühlt der Körper aus, was nach TCM besonders ungünstig ist, da innere Kälte verschiedene Krankheiten auslösen kann und das Verdauungsfeuer, Qi, Yin und Yang insgesamt schwächt. Meide Rohkost, Essen aus dem Kühlschrank und kalte Getränke.
  • Faste nie mit dem Hauptziel, abzunehmen. Lege deinen Fokus lieber darauf, deinen Körper zu entlasten und dir Gutes zu tun. Sei dir bewusst, dass nachhaltiges Abnehmen eine langfristige Ernährungsumstellung erfordert, sonst kommt es so gut wie immer zum berühmt-berüchtigten Jo-Jo-Effekt. Auch Stress, unbewältigte Traumata, belastende Beziehungen, Arbeitsbedingungen und Schlafmangel spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle, wenn du abnehmen möchtest.
  • Gar nichts zu essen und nur zu trinken, schwächt nach TCM das Qi (die Lebensenergie), ebenso den Hunger ständig zu übergehen. Bevorzuge lieber eine Fastenmethode, bei der du halbwegs regelmäßig isst und nicht zu viel Hunger leidest.
  • Faste nicht, wenn du Untergewicht hast oder sehr geschwächt bist.
  • Achte auf dein Bauchgefühl! Wenn du dich nicht wohl fühlst beim Fasten, suche dir eine sanftere Methode oder brich es ganz ab. Jeder Mensch ist verschieden und es gibt keine Empfehlung, die für jeden passt. Dein Körper sagt dir, was für dich richtig ist, traue dich, auf ihn zu hören!

Die Traditionelle Chinesische Medizin empfiehlt zur Entlastung der Verdauung übrigens eine Reiskur, besonders zwischen den Jahreszeiten (den sogenannten Dojo-Zeiten). Dabei isst man einige Tage nur Reis und trinkt heißes Wasser und Kräutertee dazu (abgestimmt auf den Typ, etwa wärmende Tees wie Fencheltee bei innerer Kälte, kühlende Tees wie Kamille oder Pfefferminze bei innerer Hitze, Feuchtigkeit ausleitende Tees wie Löwenzahn bei Akne oder verschleimter Lunge). Hier findest du mehr Informationen zur Durchführung einer Reiskur nach TCM auf meinem Blog. Fasten ist also auch aus Sicht der TCM empfehlenswert, um gesund zu bleiben, sich wohl zu fühlen und entspannt und lange zu leben. Achte einfach darauf, auf deinen Körper zu hören und nicht über seine Signale hinwegzugehen, und bevorzuge sanftere Methoden des Fastens, wie ein frühes Abendessen oder eine Suppen-Reis-Kur.

Wenn Du tiefer ins Thema eintauchen möchtest, dann findest Du in meinem Buch „Vom Glück entspannt älter zu werden“ neben hilfreichen Informationen einen 10-Schritte-Plan zum Gleich-Loslegen, schmackhafte Rezepte für einen gesunden Körper und einfache Tipps und Übungen für Geist und Seele.

In der TCM geht es um das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Dieses Buch setzt auf allen drei Ebenen an. Es ist nie zu spät, Dein Wohlbefinden und Deine Selbstheilungskräfte auf ein neues Level zu bringen. Und es ist auch nie zu früh, um für ein gesundes Alter vorzusorgen.

Herzliche Grüße,
Katharina

PS: Weitere Beiträge von mir findest Du übrigens auch auf meinem Blog unter ernaehrungsberatung-wien.at

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

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