Schäm dich. Nicht.

Letzte Woche habe ich ein neues Wort gelernt: Age Shaming. Das ist, wie Du Dir bestimmt schon denken kannst, das herabwürdigende Verhalten Deiner Mitmenschen, wenn sie realisiert haben, dass Du gerade etwas echt Unverschämtes tust: älter werden. Also echt jetzt, wie kannst Du nur! Denkst Du denn gar nicht an die anderen?

Oder besser: Klar kannst Du älter werden, aber sieh bitte nicht so aus

Das ist nämlich peinlich und – sagen wir es doch mal ganz direkt – auch bestimmt ein bisschen Deine Schuld. Schließlich ist da draußen alles käuflich, was Du brauchst, um Dein eigenes Verfallsdatum so weit wie möglich nach hinten zu schieben:

Noch nie war die Nachfrage nach Anti-Falten-Produkten so groß, Tendenz steigend. Wir müssten also kollektiv immer straffer werden. Ich weiß jetzt ehrlich gesagt gar nicht, ob ich mir bildlich vorstellen möchte, wo das irgendwann hinführt. Dabei fällt mir ein:

Wir sind die einzige Art, die Zeit genug hat für Anti Aging

Im Klartext investieren wir alle viel Zeit und Geld, um etwas aufzuhalten, das wir nicht aufhalten können.

Weil wir einen natürlichen Prozess, der jedes Lebewesen seit Jahrmillionen ereilt, als vollkommen unnatürlich einstufen. Dinosaurier sahen schon als Babys alt aus, haben die deswegen gleich so einen Aufstand gemacht? Wohl kaum. Und überhaupt: Das Altern ist doch eine total reife Leistung!

Die Durchschnitts-Neandertalerin ist zum Beispiel nur 30 geworden – unter anderem wahrscheinlich auch deshalb, weil sie nicht auf High Heels vor ihren natürlichen Feinden weglaufen musste. Heute: kein Säbelzahntiger weit und breit, und wir erschrecken vor dem Spiegel fast zu Tode, nur wegen ein paar Falten und Flecken hier und da?

Das ist doch idiotisch. Unglaubliche 60 Bonusjahre haben wir inzwischen dazubekommen, wenn es richtig gut für uns läuft! Schon allein deswegen muss einfach mehr gehen als sich zweifelhafte Komplimente anzuhören, die mit “für dein Alter” beginnen.

Body Shaming, Age Shaming, alles längst ein alter Hut?

Ich persönlich bin guter Dinge, dass es bald nur noch Age Positivity oder Age Happiness statt Age Shaming gibt. Letztes Jahr gab’s zwar noch einen Riesenskandal, als man Schauspielerin Sarah Jessica Parker öffentlich beim Älterwerden erwischt hat. Aber heute werden Alter und Schönheit zunehmend als Dreamteam gesehen, sogar bei Germany`s Next Topmodel. Iris Apfel hätte das Ding schon vor 50 Jahren gewinnen sollen, wenn Du mich fragst. Sei es drum:

Sei stolz auf jedes Jahr

Sei froh, dass Du so weit gekommen bist. Genieße, dass Dir niemand mehr den Blazer vollkotzt. Freu Dich, dass Du nicht mehr nur funktionieren musst. Gib Deinen Falten niedliche Namen. Spiele Golf oder Games.

Zieh Strickjacken oder Lederjacken oder Hemdblusenkleider oder Miniröcke oder große Ketten oder kleine Ohrringe oder Bikinis oder Tuniken an. Sei stolz auf das, was Du erschaffen hast. Blicke zurück. Lächle. Und stirb nicht in Schönheit. Sondern stirb vor allem sehr, sehr alt.

Deine Nina

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

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