Waldbaden - Dein magisches Rendezvouz mit einem Baum

Waldbaden – Dein magisches Rendezvouz mit einem Baum

Joya spürt das zarte Pulsieren und genießt diesen magischen Moment. Sie taucht in den Rhythmus ein, der sich im Gleichklang mit ihrem Herzen verbindet.

Ihre Hände streicheln vorsichtig über die Kerben der Baumrinde. Sie atmet den Duft von Moos und Vergänglichkeit. Sanft schwingend gleitet neben ihr ein Blatt auf den Boden. „Loslassen“, summt der Baum seine ureigene Melodie, „einfach nur loslassen, Joya.“

Sie blickt nach oben in das dichte Blätterdach. Fast neidvoll bewundert sie die Leichtigkeit, mit der sich ihr Baum vom Sommer verabschiedet. Wohl wissend, dass es Zeit ist, alle Äußerlichkeiten fallen zu lassen. Wohl ahnend, dass seine Zeit gekommen ist, seine beeindruckende Schönheit und protzende Kraft einfach fallen zu lassen und sich auf den innersten Kern zu besinnen.

Behutsam wandern Joyas Hände den Stamm entlang. „Wie schön Du bist in Deinem Loslassen! Du hast wohl keine Angst, den blühendsten Teil von Dir abzugeben, Du Glücklicher!

In der Baumrinde entdeckt Joya dieselben Maserungen wie auf ihren Händen. Die feinen Fältchen auf ihren Handrücken ähneln der Rindenborke unter ihren noch immer tastenden Händen. „Der Zahn der Zeit nagt an mir!

Hat sie das gesagt oder war es der Baum?

Glücklich lächelt Joya vor sich hin. „Ich rede mit einem Baum!“ denkt sie und spürt eine tiefe innere Befreiung. Früher fürchtete sie sich vor Krabbeltieren aller Art. Oder davor, dass sie just in diesem intimen Moment mit ihrem Baum beobachtet und vielleicht belächelt werden könnte. Heute lehnt sie sich ganz entspannt mit dem Rücken an seinen Stamm und ist ganz bei sich.

Wie ist es, einen Baum zu umarmen?

Auch ich erinnere mich noch gut daran, wie albern ich mir vorkam, als ich das erste Mal in einem Seminar einen Baum umarmen sollte.

Hast Du, liebe Leserin, jemals einen Baum umarmt?

Was hast Du gefühlt? Und vor allem WIE hast Du Dich dabei gefühlt?

Wenn ich heute in den Wald gehe, dann verlasse ich manchmal ganz achtsam und ehrfürchtig die festen Wege, um die Bäume um Rat zu fragen. Im Wald kann ich herrlich meinen Gedanken nachhängen und beobachten, welche Lösungen sich in mir zeigen.

Mein Baum
Schon als Kind liebte ich Bäume. Bis heute erinnere ich mich an die rauchige Stimme von Alexandra, und ihrem melancholischen Lied „Mein Freund der Baum. Du fielst heut früh, ich kam zu spät, du wirst dich nie im Wind mehr wiegen, du musst gefällt am Wege liegen….“ 

Ich weiß nicht, wie viele Jahre es her ist, dass mich dieses Lied zutiefst berührt hat. Ein Lied, das vor rund 50 Jahren schon auf das Waldsterben aufmerksam machte, noch lange bevor irgendeiner von uns auch nur das Wort Waldsterben kannte.

Doch was macht die Mystik der Bäume aus?

Wer jemals weinend durch einen Wald geht, hat sicher schon gespürt, wie Ruhe und Geborgenheit einkehrt und der Wald  Trost spendet.

Bäume berühren uns auf vielfältige Art und Weise. Sie schenken uns Erholung und tiefe Harmonie. Sie erinnern sie uns an unser eigenes Wachstum. Manchmal zwingen sie uns fast dazu, unseren Blick gen Himmel zu heben oder auch in unsere Wurzeln hineinzuspüren.

Dass Bäume ihre Heilkraft und Energie auf uns übertragen ist längst wissenschaftlich belegt. Ob wir es nun unbedingt als „Waldbaden“ bezeichnen müssen, bleibt uns überlassen. Ein Spazier-Bad inmitten dieser hochgewachsenen Menschenfreunde ist auf jeden Fall immer ein durchaus reines und erfrischendes Vergnügen. Kein Wunder, denn:

Wir Menschen waren schon immer eng mit den Bäumen verbunden.

Bäume sorgten von Anbeginn an für Schutz und Wärme. Im Mittelpunkt sämtlicher alter Mythen waren es immer Bäume, die als heilig galten. Auch wenn vieles von diesem wertvollen Urwissen verloren ging, so kennen doch die meisten Menschen zumindest noch das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes.

Joya hat sich das Wissen und das Wesen dieser kraftvollen Pflanzen längst zu eigen gemacht. Manchmal höre ich sie fröhlich singen: „Alt wie ein Baum möchte ich werden, mit Wurzeln, die nie ein Sturm bezwingt.“ (Lied und Text von den Puhdys)

Wenn ich mit Joya unterwegs bin, sammeln wir verschiedene Baumteile und legen sie zu Natur-Mandalas. Wir schnitzen aus kleinen, abgeworfenen Buchen-Ästen spannende Runen-Orakel oder basteln Schutz-Amulette aus Eibe-Rinde.

Wir sammeln kleine Fichten- und Kiefernzweige als Talismane auf Reisen, und suchen nach den immer seltener werdenden Lärchen, die Schutz für Haus und Hof bringen und auch noch das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stärken.

Herbstmandala
Niemals reißen wir achtlos Äste oder Zweige ab. Und immer hinterlassen wir bei unseren Baumfreunden ein kleines Geschenk. Denn Geben und Nehmen im Ausgleich dient dem Überleben, nicht nur von Bäumen 😉

Bis heute haben Bäume nichts an ihrer Attraktivität verloren.

Tief verwurzelt in der Erde und nach oben wachsend sind sie Sinnbild für Wachstum und Kraft. Sie spenden Schatten und Schutz. Sie liebkosen unsere Augen mit ihrer Blätterpracht und lassen uns aufatmen und durchatmen. Sie verwöhnen uns mit ihren Früchten und ihrer Heilkraft.

Sie spiegeln uns den Rhythmus des Lebens, erinnern uns an die Jahreszeiten und an das Werden und Vergehen. Sie erinnern uns an unsere eigenen Wurzeln und unser eigenes Wachstum und fördern unseren Spieltrieb und unsere Kreativität.

„Ich möchte nie zu ernst sein, Bäume zu umarmen und nie zu alt, durch raschelnde Laubhaufen zu tanzen!“ Silke Steigerwald

Deine magische Begegnung mit einem Baum

Falls Du neugierig genug bist, kann dich folgende Übung wundervoll in einen Dialog mit einem Baum bringen.

Und falls Du Dir noch ein bisschen blöd dabei vorkommst, dann macht das auch nicht. Es trotzdem auszuprobieren, lohnt sich allemal. Versprochen.

Schritt 1: Beobachte beim nächsten Wald-Spaziergang die Unterschiede der einzelnen Bäume. Ihre Größe, ihre Wuchsform, ihre Baum-Nachbarn. Es macht nämlich einen Unterschied, ob dein Wald aus einer oder mehreren Baum-Arten besteht. Das zu erkunden, kann allein schon ein kleines Abenteuer sein.

Schritt 2: Wähle einen der Bäume aus, zu dem es Dich hinzieht. Ein kleines Geheimnis möchte ich gleich verraten: Du wirst nach mehrmaligem Üben sehr bald erkennen, dass Bäume DICH anziehen, nicht umgekehrt.

Schritt 3: Nähere Dich ganz behutsam Deinem ausgewählten Baum. Begrüße ihn achtsam auf Deine Art und Weise. Erlaube Dir, ihm mit interessierter Aufmerksamkeit zu begegnen, ohne jegliche Beurteilung oder Bewertung.

Schritt 4: Setze alle Deine Sinne ein. Taste, rieche, schaue, lausche, schmecke. Keine Sorge, Du musst keinen Baum ablecken, um ihn zu schmecken 😉 beobachte einfach die Geschmacksknospen auf Deiner Zunge, während Du mit leicht geöffnetem Mund ein- und ausatmest.

Schritt 5: Betrachte Deinen Baum von allen Seiten. Wie sieht er aus? Sein Stamm? Seine Krone? Seine Wurzeln? Wie sieht seine Umgebung aus? Welche Pflanzen wachsen neben und unterhalb von ihm? Gibt es Moos oder entdeckst Du kleine Tiere?  Was fühlst Du in diesen Momenten?

Schritt 6: Lege beide Handinnenflächen an den Baumstamm und lass Dich überraschen von der Wärme, dem Pulsieren oder irgendeiner anderen Wahrnehmung. Vermeide jede Erwartungshaltung und spüre nach, was Du wahrnehmen kannst. Ist es ein männlicher oder ein weiblicher Baum? Wie fühlt sich die Rinde an? Ist sie glatt oder rau? Ist sie warm, oder gar verletzt?

Schritt 7: Was fühlst Du unter Deinen eigenen Füßen? Stehst Du sicher und scheinst selbst Wurzeln in den Boden zu graben oder schwankst Du? Wie neugierig bist Du noch? Willst Du geduldig weiter beobachten oder fühlst Du Dich eher unruhig?

Schritt 8: Lenke Deine Aufmerksamkeit nun auf Dich selbst. Was fühlst Du tief in Dir? Welche Gedanken oder Emotionen nimmst Du wahr? Verändern sich Deine Emotionen, wenn Du den Baum berührst oder Deine Hände weg nimmst? Was geschieht, wenn Du nach oben schaust, oder nach unten?

Schritt 9: Jetzt kannst Du dem Baum eine Frage stellen oder ihn um etwas bitten. Oder etwas loslassen. Oder Dir etwas wünschen… Was auch immer Du tun möchtest, tu es. Jetzt. Und dann verabschiede Dich von Deinem Baum in dem Vertrauen, dass Du Deine Antwort, Deine Lösung, Deine Erfüllung findest. Bedanke Dich bei Deinem neuen Freund. Vielleicht mir einem geflüsterten Danke, einer liebevollen Umarmung. Ich persönlich habe immer ein paar Tabakkrümel oder ein paar Nüsse oder Kerne oder Samen in der Hosentasche.

Gönne Dir so oft es geht, dieses Bad unter Deinen neugewonnen Freunden. Und denke immer daran:

Ein Baum ist ein Wunder, der Wald bewirkt Wunder (Klaus Ender)

Berichtest Du uns von Deinem Waldbadeerlebnis im Kommentar?

WEIL DU WICHTIG BIST.

Herzlichst, Deine Silke

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

1 Gedanke zu „Waldbaden – Dein magisches Rendezvouz mit einem Baum“

  1. Liebe Silke,
    das hast du wunderschön in Worte gefasst! Ja ich habe auch schon als Kind gerne Kontakt mit Bäumen gehabt, ein Baumhauszelt gebaut, geklettert auf unserem Apfelbaum und im Winter das Iglu darunter gebaut. Damals gab’s halt noch viel Schnee in Kirchheim. Heute geht meine Walking Runde immer in der Früh auch durch unser kleines Wäldle und ich entdeckte erst neulich ganz neue Pfade hindurch, interessant nicht wahr. Ich habe sie 25 Jahre lang nicht wahrgenommen!! Ich umarme schon lange immer mal wieder einen Baum oder stelle mich mit dem Rücken an ihn, genieße ihn , spüre ihn und fühle mich hinterher einfach nur wohl, energiegeladen aber auch befreit! Ich finde das wunderbar! Liebe Grüße und alles Gute
    Jutta

    Antworten

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