Wechseljahre: Was tun wenn die Libido in den Keller geht?

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, denken viele, dass mit den Hormonen auch gleich die Libido in den Keller geht. Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Lust und dem sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren, darüber spreche ich mit Dr. Heike Metzmeier-Specht.
Inhaltsverzeichnis

Heike ist selbstständige Beraterin für Gesundheitskommunikation und hat das Thema „Frauen mit Luststörungen“ einige Jahre kommunikativ begleitet. In unserem Gespräch über die Libido in den Wechseljahren erklärt sie, wie vielfältig die Gründe für Lustlosigkeit sein können – auch ganz unabhängig von den Wechseljahren – in welchen Fällen Frau ein Problem hat, wenn die Lust ausbleibt und wie wir die Lust wieder anfachen können. Wenn Du uns gerne zuhören und zuschauen möchtest, wir haben unser Gespräch aufgezeichnet – oder Du liest hier weiter.

Also, liebe Heike, das wollen wir gleich zuerst wissen: Gibt es diesen Zusammenhang zwischen der Lust und dem sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren?

Heike: „Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Östrogenspiegel und der weiblichen Lust, sonst würde sich durch eine Hormonersatztherapie der Lustverlust ausgleichen lassen. Ganz so einfach ist es also nicht.

Wahr ist, dass mit zunehmendem Alter, so ab den 40ern oder 50ern, die sexuelle Lust der Frau abnehmen kann. Dieser Effekt kann indirekt mit dem Östrogenspiegel zusammenhängen. Was ich meine mit indirekt: Eine Frau in den Wechseljahren, die unter Scheidentrockenheit leidet und Schmerzen bei der Penetration empfindet, kann als Folge davon weniger Lust auf Sex haben, als eine Frau die diese Probleme nicht hat. Gleiches gilt für Hitzewallungen und Schlafstörungen oder weitere Begleiterscheinungen der Wechseljahre, die unsere Lust auf Sex nicht gerade befeuern.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die weibliche Lust sehr komplex ist und vor allem im Kopf entsteht. Wenn unser Geist in der Lebensmitte mit Fragen unserer persönlichen Zukunft beschäftigt ist, hat die Lust deutlich weniger Chancen zum Vorschein zu kommen, auch wenn sie eigentlich da ist.

Ilona: Verstehe, und wenn ich an mich selbst denke, dann kommt da ja oft so einiges zusammen: Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, schlechter Schlaf, vielleicht fühle ich mich unwohl mit den körperlichen Veränderungen … also ja, in solchen Phasen ist auch meine Lust auf Sex immer mal wieder in den Hintergrund gerückt.

Was können generelle Gründe sein für Lustlosigkeit?

Ilona: Du hast Dich mit dem Thema Luststörung bei Frauen sehr intensiv auseinandergesetzt. So weit ich weiß, ging es bei dem Projekt, das Du betreut hast aber gar nicht um Frauen in den Wechseljahren, sondern es wurden ganz allgemein die Faktoren untersucht, die bei Frauen dazu führen können, dass die Lust auf Sex schwankt oder manchmal ganz ausbleibt. Welche generellen Gründe für Lustlosigkeit wurden da gefunden?

Heike: Also die Auslöser können sehr vielfältig sein. Zum einen hat unser Gesundheitszustand einen großen Einfluss auf die Libido. Wenn ich beispielsweise an einer Herzkrankheit leide, dann beeinflusst das die Durchblutung der Vagina und Erregung ist dann sehr viel schwerer zu erzeugen. Auch Inkontinenz oder Depressionen sind weitere Beispiele für Krankheiten, die sich deutlich auf die Lust auswirken.

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann unsere Libido beeinflussen, weil sie direkt auf Zentren im Gehirn einwirken, die für die Entstehung der Lust wichtig sind.

Genau so können soziale oder psychologische Gründe vorliegen – also beispielsweise Stress oder Angstzustände können Faktoren sein, die die Libido beeinflussen. Auch wenn ich mir Gedanken über meine finanzielle Sicherheit machen muss, ist Sex keine naheliegende Beschäftigung.

Dann sind viele Frauen zum Beispiel durch Care-Arbeit belastet, wie etwa Erziehung der Kinder oder das Pflegen von Angehörigen, auch das kann ein Auslöser sein für eine Luststörung. Frauen kümmern sich ja oft um mehr als nur den Job und für ein aktives Liebesleben bleibt ihnen dann keine Energie und Zeit mehr.
Die Wurzel kann schließlich auch in der Partnerschaft liegen, wenn Sex mit dem Partner nicht oder nicht mehr als befriedigend empfunden wird.

Und dann gibt es Frauen – und das betrifft durchaus auch jüngere Frauen – bei denen eine Luststörung scheinbar durch nichts zu erklären ist. Diese Luststörung wird medizinisch als Erkrankung eingestuft, weil sie einen hohen Leidensdruck bei den betroffenen Frauen erzeugt.

In welchen Fällen ist der Leidensdruck wegen Lustlosigkeit besonders hoch?

Ilona: Ich kann mir vorstellen, dass der Leidensdruck auch davon abhängt, in welcher Beziehungssituation ich gerade bin. Also als Single habe ich vielleicht weniger ein Problem damit, wenn die Lust ausbleibt. Für Frauen in einer Partnerschaft, kann das dagegen zu einer großen Belastung werden.

Heike: Ja, das ist ganz unterschiedlich, ob der Lustverlust etwas ist, das mich tatsächlich belastet, oder ob ich gut damit leben kann. Zur Erfüllung der Lust gehören in einer Partnerschaft ja Zwei. Wenn die Sexualität in der Partnerschaft eine untergeordnete Rolle spielt, dann können Paare gut damit klarkommen.

Schwierig wird es, wenn der Partner oder die Partnerin deutlich mehr Lust empfindet als ich. Dann entwickle ich als Frau vielleicht Verhaltensweisen, die das Lustempfinden des Partners dämpfen. Also ich weiche aus, vermeide Blickkontakt oder mache mich unbewusst unattraktiver. Das kann Beziehungskrisen auslösen und damit setzen wir viel aufs Spiel, denn Beziehungen sind uns Frauen wichtig. Manchmal geben wir uns dann hin, ohne wirklich Lust zu haben. Keine Lust empfinden zu können bedeutet übrigens nicht, keinen Orgasmus haben zu können. Ich kann sehr wohl „um des Beziehungsfriedens willen“ mit meinem Partner sexuell aktiv sein und dabei auch zum Höhepunkt kommen.

Wie spreche ich mit meinem Partner über Lustlosigkeit?

Ilona: Wenn Du sagst, dass für Frauen Beziehungen unheimlich wichtig ist, dann denke ich daran, dass in Beziehungen über Sex oft gar nicht geredet wird. Also, dass viele Paare sich kaum über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse austauschen.

Heike: Ja, und dabei wäre Reden gerade in dieser Situation so wichtig.

Mein Rat ist, dem Partner zu erklären, wie es mir gerade geht. Dass ich darüber spreche, welche Beschwerden ich durch die Wechseljahre empfinde, zum Beispiel dass meine Emotionen Achterbahn fahren, ohne dass ich es beeinflussen kann. Damit wecke ich Verständnis dafür, warum mir die Lust abhandengekommen ist. Das ist eine gute Basis auf der man gemeinsam neue Wege finden kann.

Wenn ich unter Scheidentrockenheit leide könnte ich z.B. darüber sprechen, dass ich mehr Zeit brauche oder vielleicht Hilfsmittel, wie Gleitgel. Daraus lassen sich zärtliche Rituale entwickeln, die die Lust wecken können.

Wenn ich möchte, dass sich etwas ändert, dann muss ich meine Wünsche formulieren. Vielleicht hätte ich gerne, dass wir uns neu aufeinander einlassen, ohne dass die zärtliche Begegnung sofort im Orgasmus enden muss. Es gibt ja viele Möglichkeiten um sich gegenseitig körperlich Freude zu bereiten, eine Massage zum Beispiel.

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Was kann Frau tun, um die Libido in den Wechseljahren wieder anzufachen?

Ilona: Du hast gesagt, dass bei Frauen die Lust im Kopf entsteht. Auch die Lustpille, die damals Dein Kommunikations-Thema war, hat ihre Wirkung im Kopf entfaltet – ganz anders als z.B. Viagra für Männer, das so wirkt, dass vermehrt Blut in die Schwellkörper des Penis einfließen kann. Also die Lustpille sollte auf den Kopf der Frauen wirken. Was würdest Du Frauen also empfehlen, was sie tun können, um ihre Lust wieder anzufachen?

Heike: Das hängt natürlich vom Auslöser ab, aber wenn wir einmal davon ausgehen, dass wir wechseljahresbedingt weniger Lust empfinden, dann kann ich mich damit beschäftigen, die damit einhergehenden Belastungen zu lindern oder zu beseitigen.

Wichtig ist, die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu formulieren und Stressoren zu beseitigen. Wenn ich z.B. permanent zwischen Pflege der Eltern und Job hin und her pendle, dann hilft möglicherweise eine professionelle Entlastung durch einen Pflegedienst.

Im Grunde geht es darum, den Geist zu entspannen und die Stimmung aufzuhellen. In unserem Kopf findet ein reger Austausch der Nervenzellen statt. Sie unterhalten sich mithilfe von sogenannten Botenstoffen. Für die Ausgeglichenheit, das Glücksgefühl und die Heiterkeit sind im Wesentlichen Dopamin, Serotonin und Endorphine zuständig. Wir sollten also dafür sorgen, dass diese Botenstoffe reichlich zirkulieren.  

Dafür ist beispielsweise Bewegung wichtig. Ein Spaziergang in der Natur oder auch Yoga. Das hilft, um klare Gedanken fassen zu können oder den Geist einmal komplett zur Ruhe kommen zu lassen.
Auch ein Stück Schokolade hebt die Stimmung, weil der Serotoninspiegel dann ansteigt.

Mein Favorit: Lachen produziert Endorphine und ich kann auch Lachen, ohne dass es dafür einen Auslöser gibt. Probiere es mal aus! Einfach morgens vor den Spiegel stellen und 20 Sekunden herzhaft lachen. Am Anfang kommt Frau sich dabei vielleicht komisch vor, aber wenn es zum Ritual wird, freut man sich drauf und lacht hemmungslos drauf los.

Vielen lieben Dank Heike für das Gespräch und Deine Expertise rund um das Thema Lustlosigkeit.

Noch mehr Tipps, wie Du Deine Lust wieder entfachen kannst

In diesen Beiträgen findest Du viele Tipps und auch Übungen, die Dir helfen Deine Lust auf Erotik wieder anzufachen:

Was hilft Deiner Libido in den Wechseljahren auf die Sprünge? Hast Du sinnliche und lustvolle Tipps für uns? Lasse uns gerne einen Kommentar da.

Auf Deine Lust und Sinnlichkeit,
Deine Ilona

Foto: Pixabay

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

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