Silberkonfetti oder Mein Weg zum grauen Haar

Silberkonfetti oder Mein Weg zum grauen Haar

Mein erstes graues Haar fand ich mit 23 Jahren in meinem schon damals gefärbten Schopf. Erschrocken und fast beschämt zupfte ich dieses Silberhaar heraus, sah es mir genauer an und war fasziniert, wie es in der Sonne schimmerte. Dennoch: Graue Haare in so jungen Jahren, das war für mich und die meisten Frauen in den 90er Jahren nicht vorstellbar. Die Zeit war einfach nicht reif.

Knapp dreißig Jahre sollten ins Land gehen, bevor mir und vielen anderen bei dem Begriff „graue Haare“ nicht mehr reflexartig die Assoziation „alt“ in den Sinn kommen sollte.

Graue Haare als Trend?

Spannend wurde es, als vor ein paar Jahren junge Fragen begannen, ihre Haare Silber zu färben. Dieser Trend ließ mich aufhorchen und mir wurde bewusst, dass das, was manche sich für sehr viel Geld färben lassen, mir die Natur bereits geschenkt hatte und ich diese Pracht für viel Geld unter Färbungen versteckte. 

Ein Gedanke begann zu reifen. Was wäre, wenn ich es einfach mal wagen würde und die Silberhaare wachsen lasse, ohne sie zu färben. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich auf die Instagram Community #silversisters aufmerksam. Insbesondere Amerikanerinnen dokumentierten hier ihren Weg zu silbernen Haaren, ermutigten einander und viele Frauen rund um den Erdball auf die wunderbarste Weise. Inzwischen ist die Bewegung längst nach Europa geschwappt und Frauen aller Altersstufen begeben sich auf ihren individuellen Silberweg, tauschen sich aus und unterstützen einander. 

Wie startet man den Silberweg am einfachsten?

Erstaunlicherweise wählen viele Frauen den sogenannten „Cold Turkey“, in dem einfach die Haare wachsen gelassen werden und der Übergang nicht kaschiert wird. Wenn man wie ich blonde Haare hat, ist das vergleichsweise einfach. Jedoch auch Frauen mit braunen oder schwarzen Haaren machen den harten Schnitt.

Wie so häufig im Leben ist auch hier der Start das schwierigste. Anfänglich sieht der Ansatz so aus, als hätte man etwas nachlässig vergessen zu färben. Irgendwann zeigt sich, dass ein Plan dahintersteht und spätestens ab Ohrhöhe sind die Resultate absolut faszinierend. 

Manche Frauen wählen die sanftere Variante und lassen sich zarteste Strähnen setzen, damit der Übergang nicht so hart verläuft. Andere lassen ein Stück weit wachsen und entscheiden sich dann für einen frechen Pixie Cut. Birgit Schrowange soll erst eine Zeitlang eine Perücke getragen haben, um dann mit einer kurzen Silberfrisur alle zu überraschen. 

Weil ich mitten im emotionalen Prozess des „Grauwerdens“ stehe, den ich unbedingt bewusst erleben möchte, kann ich hier aus Erfahrung sprechen:

Noch nie wurde ich so häufig auf meine Haare angesprochen oder haben mir, insbesondere Frauen, mitgeteilt, dass sie auch gerne zu ihren Naturhaaren stehen würden, sich jedoch nicht trauen. Mir wurde gesagt, dass mein Grau ja jetzt schon schön aussehen würde und wenn man so ein Grau hätte, würde man auch nicht mehr färben.

Dazu kann ich nur sagen: Es kommt es auf einen Versuch an. Nur Mut! 

Ich wurde gefragt, was mein Mann oder meine Kinder zu meiner „neuen Haarfarbe“ sagen würden.

Tatsächlich sind wir der Auffassung, dass jeder sich erstmal selbst wohl fühlen sollte. Als ich meinem Mann den Plan, meine Haare nicht mehr zu färben, mitteilte, sagte er nur: „Hatte mich eh schon gewundert, warum Du das immer noch machst.“ 

Nur so am Rande: Mein Mann färbt seine Haare auch nicht und tatsächlich habe ich noch nie gehört, dass einem Mann mal diese Frage gestellt wurde…

Silberkonfetti

Was assoziierst Du mit grauen oder silbernen Haaren?

Kaum eine Haarfarbe ist so sehr mit Gedanken und Glaubenssätzen belegt, wie graues Haar. In unserer Gesellschaft gilt die Annahme, dass Haare der natürliche Schmuck der Frau seien. Ganze Industrien und Werbekampagnen leben von Shampoos, Pflege und Färbungen und entwickeln auf Angst basierende Schönheitskampagnen, deren Aussagen wir oft ungefragt übernehmen. Häufig hörte ich, dass graue Haare als Symbol des Alterns gelten könnten und im beruflichen Kontext unprofessionell wirken könnten. Auffällig ist, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird: Bei Männern gelten graue Haare als attraktiv, interessant und lebenserfahren. Unsere Aufgabe könnte es sein, die gleichen Assoziationen auch für Frauen zu belegen.

Grundsätzlich gilt festzuhalten, es gibt braune, rote, schwarze oder blonde Haare und alle möglichen Schattierungen. Und es gibt graue Haare. Im Grunde sind graue oder silberne Haare lediglich eine weitere Farbe im Farbspektrum der Natur.

In meinem Leben hatte ich fast jede Haarfarbe und ich habe sie alle geliebt. Jetzt liebe ich meine silbernen Haare. Sehr sogar. 

Machen uns graue Haare alt?

Der Gedanke, dass man mit blonden, roten oder braunen Haaren jünger und vitaler erscheint, ist lediglich ein Gedanke. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich persönlich lehne es ab, mich dieser Illusion hinzugeben und es ist auch nicht mein Ziel, jünger zu wirken. Warum auch? Und die Vorstellung, noch bis zu meinem 95. Geburtstag zu färben, erschien mir irgendwann ziemlich absurd. Noch mehr als vierzig weitere Jahre diese Prozedur – dazu war ich einfach nicht bereit. Also war klar, dass irgendwann der Übergang von (in meinem Fall) blond zu grau kommen musste. Worauf also warten?

Schnell machte sich ein Gefühl der Freiheit in mir breit, nicht mehr alle vier Wochen 2,5 bis 3 Stunden beim Friseur zu sitzen und meinen Kopf (und später das Abwasser) mit Chemie zu belasten. 3 Stunden mal 12 Monate ergibt 36 Stunden (eine knappe Arbeitswoche) auf dem Friseurstuhl, um dann nach zehn Tagen bereits wieder einen Silberansatz zu haben.

Als meine Kinder klein waren, war diese Zeit mein Wellnessprogramm, habe ich diese Auszeiten bei einem Kaffee und einer guten Illustrierten sehr genossen. Tatsächlich empfinde ich es heute eher als verschenkte Zeit, die ich lieber mit der Familie oder meinen Freundinnen verbringe. Verständlicherweise raten unsere Friseur*Innen, mit denen wir ja so viel Zeit verbringen und auch persönliche Beziehungen pflegen, uns mit den bekannten Argumenten häufig dazu, unsere Haare auch weiterhin zu färben. Das Thema Finanzen möchte ich nur am Rande ansprechen. Bei ca. 100 Euro pro Friseurbesuch und 12 Terminen im Jahr, war es irgendwann für mich eine bewusste Entscheidung, dieses Geld stimmiger auszugeben.

Genießen kann ich auch, dass ich keine Termine mehr um meinen Ansatz herum planen muss. Meine Haare sind nun einfach wie sie sind.  

Es kommt irgendwann eine Zeit, in der wir nicht mehr so viel Wert auf die äußeren Stimmen, Raster und Meinungen legen. Es kommt eine Zeit, da kommen wir in unsere Kraft, stehen mehr und mehr zu uns selbst und zu dem was und wie wir sind.

Wie fällt der Silberweg leichter?

Was ich kann, kannst Du schon lange. Solltest Du also auch überlegen, einmal den Versuch zu starten, Deiner naturgegebenen Attraktivität eine Chance zu geben, hier ein paar Punkte für Deine Überlegungen und zu Deiner Unterstützung:

  • Begleite auf Sozial Media andere Frauen auf Ihrem Silberweg und hol Dir Inspirationen für Übergangsfrisuren und Make-Up Tipps für den neuen Look. #silversisters
  • Sei Dir bewusst, dass Du in allerbester Gesellschaft bist. 
  • Je sicherer wir in unserer Entscheidung sind, umso leichter fällt uns der Silberweg.
  • Dokumentiere Deinen Silberweg und teile ihn, wenn Du magst, mit anderen Frauen. Wenn wir Frauen uns supporten, wird jeder Weg leichter und wir können wir alles schaffen.
  • Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Du wirst immer eine Zeit des Übergangs haben. Worauf also warten?
  • Mach Dir bewusst, dass wir mit unserem Silberkonfetti andere und auch junge Frauen ermutigen, zu sich selbst und ihrer natürlichen Schönheit zu stehen.
  • Wenn Du magst, informiere Dich über Haarfärbungen und die Auswirkungen auf den weiblichen Körper, Tierversuche in diesem Zusammenhang und auf die mit Färbungen zusammenhängenden Umweltbelastungen.
  • Überlege Dir, was Du mit dem gesparten Färbegeld anfangen könntest. Eine schöne Pflege, ein zeitloses Kleidungsstück oder einen Kurztrip?
  • Freu Dich auf diesen spannenden Weg und sei gespannt, welche wunderschönen Schattierungen sich unter Deiner derzeitigen Haarfarbe befinden.

Ein Gedanke könnte vielleicht sein, dass die silbernen oder weißen Haare (nach einer bewussten Entscheidung) unsere letzte Haarfarbe sein werden. Vielleicht haben wir jahrzehntelang blonde oder dunkle Haare gehabt. Mit diesem Wandel zu Silber oder Weiß erschließt sich uns nun eine neue und spannende Farbwelt, wir erfinden uns als Typ nochmal komplett neu, veredeln uns quasi. Kennst Du unseren „Superwoman-Artikel“ eigentlich schon?

Ich möchte Dich ermutigen und herausfordern, einmal darüber nachzudenken, ob Du Lust hast anzunehmen und zu feiern, was von Natur aus zu diesem Zeitpunkt für Dich vorgesehen ist. 

Vielleicht hast Du Lust, Dich auf den Silberweg zu machen, wissend, dass Du nur einen Friseurbesuch von Deiner derzeitigen Haarfarbe entfernt bist, wenn Dir der Silberlook nicht zusagt. So oder so, jede Frau darf und soll ihre Haare so tragen, wie sie sich wohl und schön fühlt. Eines sollten wir jedoch vermeiden: eine Haarfarbe tragen, damit andere uns schön finden.

Herzlichst,
Stephie

PS: Du findest mich und meinen Weg auf Instagram unter @silberkonfetti

Kongresspaket Wechseljahreskongress

Stephi
Stephi

Stephie ist Heilpraktikerin und in der medizinischen Beratung tätig. Auf Instagram teilt sie Sonntagsgedanken, Strickinspirationen und organisiert Nordlichterstricktreffen, um gemeinsam mit anderen Frauen eine tolle Zeit zu haben: @silberkonfetti

Stephi
Stephi

Stephie ist Heilpraktikerin und in der medizinischen Beratung tätig. Auf Instagram teilt sie Sonntagsgedanken, Strickinspirationen und organisiert Nordlichterstricktreffen, um gemeinsam mit anderen Frauen eine tolle Zeit zu haben: @silberkonfetti

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

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