Warum wir Hitzewallungen bekommen und was wirklich hilft

Warum wir Hitzewallungen bekommen und was wirklich hilft

Ich konnte spüren, wie mir die rote Farbe ins Gesicht schoss. Kleine Wasseradern bahnten sich ihren Weg nicht nur den Rücken hinunter, sondern auch über Gesicht und Oberlippe. Hätte ich gekonnt, wäre ich davongerannt und hätte alles abgelegt, um mich in ein frisches Badehandtuch zu kuscheln. Als Moderatorin auf der Bühne stehend, überspielte ich die Szene professionell, aber mir entging nicht der mitfühlende Blick der etwa gleichaltrigen Journalistin in der ersten Reihe. Ihre Augen sagten „Kenne ich, fühlt sich nicht toll an, aber Du machst das gut.“ Dass es sich bei dieser und allen folgenden Attacken um Hitzewallungen handelte, ein häufiges Symptom der Wechseljahre, begriff ich eher langsam. Mein erster Therapieansatz - beharrliches Ignorieren – war nicht gerade hilfreich. Heute weiß ich, ich bin in guter Gesellschaft. Die unangenehmen Hitzewallungen treten meist ab dem 50. Lebensjahr auf. Zwei von drei Frauen sind betroffen, aber bei weitem nicht jede verspürt einen Leidensdruck.
Inhaltsverzeichnis

Was sind Hitzewallungen?

Selten sind Hitzeschübe das erste Anzeichen der Wechseljahre. Meist geht dieser Phase ein unregelmäßiger Zyklus mit teils starken Blutungen voraus. Der Spiegel der Geschlechtshormone im Blut ist jetzt stärkeren Schwankungen unterworfen. Manche von uns merken das an einem ausgeprägten prämenstruellen Syndrom (PMS) bereits mit Mitte Dreißig.

Für diesen Artikel bin ich dem Ursprung der weiblichen Wallung, dem persönlichen Sommer, wie ihn manche liebevoll nennen, auf den Grund gegangen.

Gleich mehrere Experten sind bereit, sich mit mir zu diesem Thema auszutauschen: Monika Braun, eine approbierte Apothekerin, empfängt mich in Dr. Rössler´s Hof-Apotheke in Baden-Baden. Außerdem spreche ich mit Dr. Gabriele Lindner-Wesel, seit über 30 Jahren als Frauenärztin in Sinzheim tätig sowie Prof. Dr. Dr. med. Winfried G. Rossmanith, Chefarzt der Frauenklinik des Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden.

Unangenehme Hitzewallungen – typisches Symptom des Klimakteriums

Die Vermessung der Wallung – Der Versuch, etwas sehr Individuelles zu beschreiben: Hitzewallungen gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Frauen, die in die Wechseljahre kommen, erleben Hitzeattacken oder Hitzeschübe oft auch als Nachtschweiß. Was die Sache nicht besser macht, denn der Kreislauf aus „Bettdecke weg – Bettdecke hin“ bringt uns um unseren Schlaf.

Die logische Folge der nächtlichen Schlafstörungen: Ständige Müdigkeit und Konzentrationsprobleme gepaart mit innerer Unruhe und fehlender Leistungsfähigkeit. Hinzu kommen verstärkt Stimmungsschwankungen, zumindest bei Frauen, die dazu eine Neigung haben. Damit hätten wir dann auch die meistgenannten Wechseljahresbeschwerden beisammen.

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Wie läuft eine typische Hitzewallung ab?

Eine „typische“ Hitzewallung hält etwa eine bis fünf Minuten an und steigt aus dem Nacken auf den gesamten Kopf. In dieser Zeit weiten sich die Blutgefäße, die Hauttemperatur steigt und uns schießt die Röte ins Gesicht, in Hals und Hände. Die Herzfrequenz steigt um bis zu 30 Schläge pro Minute an und wir schütten vermehrt Stressbotenstoffe aus; die Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Wir schwitzen, dadurch fällt die Körpertemperatur und wir fangen an zu frieren. Dieser Kreislauf wiederholt sich individuell unterschiedlich mehrfach pro Woche, pro Tag oder auch stündlich.

Die große Studie über Hitzewallungen

Die SWAN-Studie, eine amerikanische Untersuchung, hat über 3.000 Frauen mehr als zehn Jahre lang auf Hitzewallungen und Nachtschweiß beobachtet.

Den Ergebnissen zufolge treten die Hitzeschübe und Schweißausbrüche in den Jahren um die letzte Regelblutung (Menopause) am häufigsten auf. Manche Frauen haben aber auch noch in ihren Sechzigern oder Siebzigern diese Beschwerden. Die „SWAN-Frauen“ wurden im Mittel etwas mehr als sieben Jahre von ihren Hitzewallungen begleitet.

Wissenschaftler betonen allerdings, dass Hitzewallungen sowohl von ihrer Ausprägung als auch von der Dauer her, sehr individuell sind. So gibt es keinen speziellen „Typ“ Frau, der besonders prädestiniert ist, unter diesem Symptom der Wechseljahre zu leiden.

Seit dieser Studie sind einige Risikofaktoren bekannt, also Voraussetzungen, unter denen die Wahrscheinlichkeit, Hitzewallungen zu bekommen, steigt. Rauchen ist ein solcher Risikofaktor, ebenso Übergewicht. Stress, Angst oder Anspannung können Hitzeschübe ebenfalls begünstigen, genauso wie Schlafmangel.

Du ahnst, wo das hinführt:  Dieses System erhält sich selbst aufrecht. Mehr Wallungen, mehr Schlafstörungen, mehr Stress, mehr Wallungen.

Bei Frauen, die einen echten Leidensdruck wegen ihrer Hitzewallungen empfinden, sinkt die Lebensqualität erheblich.

Es wird Zeit aus diesem Teufelskreis auszusteigen!

Warum wir Hitzewallungen bekommen und wann sie aufhören

Wie gut, dass wir flexibel sind: Wenn sich das Gehirn neu verkabelt, hört die innere Hitze auf.

Wir erreichen die Wechseljahre, wenn unsere Eierstöcke langsam zur Ruhe kommen. Dieser Prozess wird begleitet von starken Schwankungen der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

Diese beiden wichtigsten weiblichen Hormone steuern nicht nur den Zyklus und bereiten den Körper auf eine Schwangerschaft vor, sondern beeinflussen auch unseren Stoffwechsel und zahlreiche Körperfunktionen. Es ist daher naheliegend anzunehmen, dass der Mangel an Östrogen auch für Hitzewallungen verantwortlich ist.

Aber wo besteht da genau der Zusammenhang?

Der weibliche Zyklus wird von den im Eierstock gebildeten Hormonen gesteuert. Diese wiederum werden von der Hypophyse (der Schaltstelle im Gehirn) kontrolliert. Denn die Hypophyse setzt die Steuerungshormone LH und FSH frei. Sie geben den Startschuss für den Eisprung und die Follikelreifung. Die Geschlechtshormone aus dem Eierstock wirken dann auf die Hypophyse zurück und setzen so einen Regelkreis sich selbst regulierender Hormonspiegel in Gang.

Im Klimakterium gerät dieses System durcheinander. Da Östrogen nun in wesentlich geringerem Maße gebildet wird, erhöht sich der LH-Spiegel im Blut messbar auf das 10 bis 15-fache des Normalwertes. Zeitgleich kommt es zur Hitzewallung.

„Es ist als würde die Hypophyse unsere Eierstöcke antreiben: Arbeite! Dieses Hochfeuern von FSH und LH bewirkt eine starke momentane Entgleisung der übrigen Regelsysteme. Blutgefäße weiten sich, die Herzfrequenz steigt an und in der Nacht kommt es zu oberflächlichem Schlaf, der dann die morgendliche Erschöpfung erklärt.“ Dr. Gabriele Lindner-Wesel, Gynäkologin

Wie Dein Körper seine Temperatur regelt

Ein weiterer Vorgang, der von zentraler Bedeutung für die Entstehung von Hitzewallungen und Nachtschweiß ist, betrifft unser Temperaturempfinden. Hier möchte ich Dir einen Begriff näherbringen: die thermoneutrale Zone.

Das ist ein Temperaturbereich unseres Körperkerns, der von zwei Werten begrenzt wird: Der oberen „Schwitz-Schwelle“ und der unteren „Frier-Schwelle“. Wenn einer der beiden Punkte erreicht ist, ergreift der Körper Gegenmaßnahmen. Entweder indem er durch Muskelzittern Wärme produziert oder über Blutgefäßerweiterung und Schwitzen überschüssige Wärme durch die Haut abgibt und so Verdunstungskälte produziert.

Verändert sich die Körpertemperatur innerhalb der thermoneutralen Zone, also zwischen diesen beiden Werten, dann ist uns das schnuppe, wir sind bis zu einem halben Grad Temperaturunterschied sehr tolerant.

In den Wechseljahren scheint unsere Toleranz gegen Null zu schwinden. Das heißt, die thermoneutrale Zone wird sehr schmal und die Toleranz sehr gering. Ab jetzt reagieren wir auf kleinste Veränderung der Körpertemperatur mit Gegenmaßnahmen.

Daher reicht manchmal schon der Frühstücks-Kaffee, um den Effekt der Morgen-Dusche zunichte zu machen! Der „Kollaps“ unserer thermoneutralen Zone bedeutet übrigens auch, dass wir schneller frieren als früher.

Ursachen der Hitzewallungen

Eine Erklärung für das Phänomen Hitzewallungen liegt unter anderem in der Fähigkeit des Östrogens, die Bildung der Nervenbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn zu stimulieren. Weniger Östrogen bedeutet weniger verfügbare Nervenbotenstoffe. Da diese für die Stabilisierung unserer thermoneutralen Zone notwendig sind, gerät das System ins Wanken.

Als ob das noch nicht genug wäre, haben die fallenden Östrogen- und Progesteron-Spiegel einen zusätzlichen Effekt auf die Elastizität der Blutgefäße in unserer Haut. Der verlangsamt nicht nur ihre Reaktionsfähigkeit auf Temperaturwechsel, sondern meldet Veränderungen der Umgebungstemperatur sehr verzögert an die Messstationen unseres Nervensystems.

Jetzt ist das Chaos perfekt. Oder wie Prof. Rossmanith es formuliert: „Hitzewallungen sind nicht eingebildet, sie existieren tatsächlich, und sie entstehen im Kopf!“

Aber wir sind lernfähig! Der Wissenschaftler erklärt, dass wir die (Wechsel-)Jahre im Schweiße unseres Angesichts damit verbringen, die Software in unserem Gehirn neu zu verkabeln. Die Wissenschaft versteht zwar noch nicht im Detail, wie das genau passiert, aber es scheint eine Art evolutionäre Anpassung zu sein.

Was wir nicht ändern können, daran müssen wir uns gewöhnen. Die gute Nachricht: Es funktioniert!

„Letztlich muss sich das Gehirn der Frau darauf einstellen, dass Hormone und Nervenbotenstoffe in anderen Konzentrationen vorliegen als vor den Wechseljahren. Es akzeptiert den neuen Zustand und lernt, damit zurecht zu kommen. Wie lange dieser Prozess dauert, ist nicht vorherzusagen und auch von Frau zu Frau individuell unterschiedlich.“ Prof. Dr. Dr. W. G. Rossmanith, Chefarzt der Frauenklinik des Klinikum Mittelbaden, Baden-Baden

Was hilft bei Hitzewallungen wirklich?

Therapieren? Und wenn ja, womit?

Die erfahrene Gynäkologin Dr. Gabriele Lindner-Wesel weist darauf hin, dass nur etwa ein Drittel der Frauen so starke Hitzewallungsbeschwerden hat, dass sie medizinische Unterstützung brauchen. Ein weiteres Drittel empfindet die aufsteigende Hitze und die gelegentlichen Schlafstörungen zwar als nervig, aber nicht dramatisch. Das glückliche letzte Drittel erlebt die Wechseljahre praktisch im Vorübergehen ohne Beschwerden.

Erster Ansprechpartner vor einer Therapie sollte der Gynäkologe/die Gynäkologin sein. Schon um abzuklären, ob die Hitzeattacken wirklich von den Wechseljahren kommen.

„Schweißausbrüche können nämlich auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenfehlfunktion, Angstzustände oder chronischen Stress.“ Dr. Gabriele Lindner-Wesel

Die Apothekerin Monika Braun stellt fest, dass die meisten Frauen, die zu ihr kommen, sehr gut über die Wechseljahre Bescheid wissen und gezielt nach Präparaten gegen Hitzewallungen fragen.

Alle Experten stimmen darin überein, die Behandlung der Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen grundsätzlich als mehrstufigen Prozess anzulegen, der sich an der Stärke der Symptome orientiert.

„Ich finde es sehr positiv, wie offen Frauen heute mit ihren Wechseljahren umgehen. Hier ist für mich ein Wandel erkennbar. Frauen sprechen ihre Beschwerden heute – selbst im Intimbereich – proaktiv an.“ Monika Braun, Apothekerin

Welche pflanzlichen Mittel Hitzewallungen lindern können

Für den sanften Beginn eignen sich pflanzliche Präparate wie die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) oder Mönchspfeffer (Agnus castus).  Diese kommen auch als homöopathisches Arzneimittel zum Einsatz, oft in Kombination.

Lachesis, ein Schlangengift, ist eine homöopathische Alternative, die gegen die breite Palette der Wechseljahresbeschwerden, einschließlich Hitzewallungen, hilfreich sein soll.

Salbei soll – beispielsweise als Tee verabreicht – ebenfalls gegen Hitzeschübe und Schweißausbrüche wirksam sein, während Baldrian den Schlaf fördert.  Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend.

Phytoöstrogene zur generellen Unterstützung im Klimakterium

Phytoöstrogene sind pflanzliche Substanzen, die unserem Geschlechtshormon Östrogen strukturell so ähnlich sind, dass unsere Körperzellen darauf reagieren. Ein Beispiel hierfür sind Isoflavone. Sie kommen in Soja vor oder auch in Rotklee.

Rhabarberextrakt kann unseren Östrogenspiegel im Blut ebenfalls anheben und wäre eine Alternative, wenn Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze nicht wirksam sind.

In welchen Lebensmitteln Phytoöstrogene vorhanden sind und welche Nährstoffe jetzt noch wichtig sind, kannst Du in diesem Artikel nachlesen: „Die wichtigsten Nährstoffe in den Wechseljahren“

Bioidentische Hormone bei Hitzewallungen

Da der Östrogenmangel der Wechseljahre für die Hitzewallungen verantwortlich ist, greift auch die Hormon(ersatz)therapie mit Präparaten, die natürliche bioidentische Östrogene allein oder in Kombination mit natürlichem Progesteron enthalten. Bioidentisch bedeutet, dass die Hormone zwar im Labor hergestellt werden, unserem körpereigenen Geschlechtshormon aber strukturell identisch sind und damit auf die gleiche Weise wirken.

Hormonpräparate zur lokalen Anwendung

Wenn das Hormonpräparat über die Haut aufgenommen wird, belastet es die Leber weniger. Je nach Beschwerdebild kann Frau für die lokale Anwendung zwischen Gel, Pflaster oder Spray als Hormonersatzpräparat wählen. Diese Hormone wirken allerdings systemisch und sollten so niedrig wie möglich und nur bei entsprechend stärkeren Beschwerden angewendet werden.

Östrogen-Salben und Vaginal-Zäpfchen sind für die lokale Anwendung im Scheidenbereich gut, beispielsweise bei Scheidentrockenheit, die oft zu Schmerzen beim Sex führt. Diese lokalen Mittel wirken dann auch nur dort. Die Gabe durch Hautpflaster oder Hautgel führt zu einer gleichmäßigeren Abgabe des Wirkstoffs als bei einer Tablette. Die Dosis kann schrittweise gesteigert und auch wieder reduziert werden.

Zielgerichtet und individualisiert therapieren

Die Medizin nennt das heute individualisierte Therapie und unsere Experten waren sich einig, dass die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen möglichst nach diesem Prinzip erfolgen sollte: „So wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig.“

Nur Aufschub der Hitzewallungen durch Hormontherapie?

So können Hitzeschübe und Schweißausbrüche teilweise um 80 bis 90 Prozent reduziert werden. Allerdings schieben wir damit das Problem „Hitzewallung“ unter Umständen nur auf, denn jede Hormontherapie wird heute auf etwa 5 Jahre zeitlich begrenzt. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob das Ausschleichen der Hormone zum Ende der Therapie die Symptome nicht erneut aufflammen lässt.

Unbedingt die Risiken abwägen

Der Einsatzbereich der Hormontherapie ist aufgrund der damit verbundenen Risiken ohnehin eng umgrenzt und besonders dann in Erwägung zu ziehen, wenn wir gleichzeitig an Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen leiden.

Gering dosierte Antidepressiva als Ausnahmetherapie

In Ausnahmefällen können auch Anti-Depressiva in sehr niedriger Dosierung gegen Hitzewallungen verordnet werden. Diese stellen die Balance der Nervenbotenstoffe im Gehirn wieder her und suggerieren uns damit unter anderem eine „normale“ thermoneutrale Zone. Prof. Rossmanith betont aber, dass das wirklich erst dann in Frage kommt, wenn alle anderen therapeutischen Schritte nicht oder nur ungenügend greifen.

Welche Therapie ist die richtige?

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Wechseljahre sind keine Krankheit, können uns aber durchaus krankmachen. Hitzewallungen, als häufigste Begleiterscheinung, sind behandelbar. Dies erfolgt in der Regel als mehrstufiger Prozess. Da wir nur gut informiert die für uns richtige Entscheidung treffen, ist unser Rat, das Gespräch mit der Gynäkologin frühzeitig zu suchen.

„Ich möchte Ihren Leserinnen gerne den Rat an die Hand geben, offen mit uns über alle Beschwerden zu sprechen. Hitzewallungen sind eines der Anzeichen, dass eine neue Lebensphase beginnt, die wir als Ärzte begleiten können. Sagen Sie uns, wenn Sie damit zurechtkommen, aber sprechen Sie uns erst recht an, wenn es Ihnen nicht gut geht!“ Prof. Dr. Dr. W. G. Rossmanith

Wie eine positive Einstellung zum Wohlbefinden beiträgt

Achtsamkeit und Atemübungen tragen zur Hormonbalance bei

Achtsamkeit ist ein Ausdruck, der mir im Zusammenhang mit Wechseljahren und ihren Beschwerden immer wieder begegnet. Dieses „in sich hineinspüren“, das Erforschen, wie es mir gerade geht und was mein Körper wirklich braucht, geht in unserer hektischen Welt manchmal unter. Zu viele Ansprüche werden von außen an uns herangetragen, als dass wir uns auch noch mit der inneren Stimme befassen könnten.

„Mir ist wichtig, dass Frauen positiv an die Wechseljahre herangehen, achtsam für sich und ihre Veränderungen sind und diese als etwas Normales annehmen. Diese Phase ist ein Teil unseres natürlichen Lebenszyklus. Die Beschwerden kommen und gehen.“ Monika Braun

Die Wechseljahre sind eine Chance, wieder neu an sich anzuknüpfen. Aber wie? Ich habe mir hierzu eine Morgenroutine angewöhnt, für die ich sogar gerne 20 Minuten früher aufstehe. Sie besteht aus einfachen Atemübungen, dem Body-Scan und Meditation. Ich führe auch ein Tagebuch, in das ich eigene Beobachtungen eintrage.

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Wie Ernährung und Bewegung gegen Hitzewallungen helfen

Achtsamkeit lässt sich auch beim Essen üben. Wir essen meistens zu schnell. Dr. Lindner-Wesel empfiehlt deshalb frisch zubereitete Speisen ohne Ablenkung mit ausreichend Zeit zu sich zu nehmen, damit frau mit allen Sinnen genießen kann. Wenn wir uns bemühen, mindestens 10 Mal zu kauen, ist es zudem verdauungsfördernd.

Warum es nicht nur wichtig ist, was wir essen – ein Artikel über „Mindful Eating“

Wer Hitzewallungen nach dem Essen vermeiden will, verzichtet auf scharfe Gewürze.

Wir können unseren Schweißausbrüchen übrigens auch buchstäblich davonlaufen! Es gibt Studien die zeigen, dass Bewegung Hitzewallungen reduzieren kann. Grund dafür sind Glücksbotenstoffe (Endorphine und Serotonin), die vom Sport in unserer Hirnanhangdrüse angekurbelt werden und positiv auf unser System einwirken.

So individuell wie unsere Wechseljahresbeschwerden sind die Lösungsansätze. Ob Achtsamkeitstraining, Yoga, Thai Chi, Qi Gong oder Meditation, Waldspaziergänge oder Schwimmen im Badesee. Alles ist erlaubt, was die Balance wiederherstellt.

Mein persönliches Fazit

Ja, ich habe gehadert. „Warum gehöre ausgerechnet ich zu dem Drittel, das Hitzewallungen als volle Breitseite erlebt?“ Inzwischen habe ich darauf eine Antwort gefunden. „Weil Du nur so gelernt hast, Dich um Dich selbst zu kümmern.“

Mir hat das Verständnis der Ursachen meiner spontanen Sommerausbrüche sehr geholfen. Ich bilde mir diese Veränderungen nicht ein, sie sind ganz real, haben eine biologische Erklärung und sind Teil meines Frauseins. Ich arrangiere mich damit, dass mein Gehirn noch nicht gelernt hat, wo meine neue thermoneutrale Zone ist.

So beuge ich den unangenehmen Hitzeschüben vor

Derweil trage ich den Zwiebel-Look, damit ich Kleidungsstücke an- und ausziehen kann, je nachdem ob in mir gerade Sommer oder Winter ist. Eine Bluse zum Wechseln für den Büroschrank ist auch eine gute Idee. Ich mache Kompromisse, aber ich verzichte weder auf Alkohol, noch auf Kaffee. Ich überlege mir aber gut, wann ich diese Schweißtreiber konsumiere. Und schließlich baue ich auf die Plastizität meines Gehirns und sage mir: „Dein Zustand ist nicht von ewiger Dauer.“

Herzlichen Dank, dass Du bis hierher gelesen hast.

Sommerliche Grüße,

Deine Heike

Danksagung: Ohne die Bereitschaft der Experten zum persönlichen Gespräch wäre mir der Artikel in dieser inhaltlichen Tiefe nicht möglich gewesen. Mein besonderer Dank gilt daher Frau Monika Braun, Frau Dr. Gabriele Lindner-Wesel und Herrn Prof. Dr. Dr. med. Winfried G. Rossmanith, die bereit waren, mir ihre Zeit zu schenken.

Quellennachweis:

Folgende Informationen haben mir außerdem beim Schreiben dieses Beitrags geholfen:

1) Vasomotor Symptoms and Menopause: Findings from the Study of Women’s Health Across the Nation; Dr. Rebecca C. Thurston, Dr. med. Hadine Joffe, Obstet Gynecol Clin North Am. 2011; 38(3): 489–501
2) Neuroendokrinologie der Menopause: Wie entstehen Hitzewallungen? W.G. Rossmanith, w. Rübberdt, Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2009; 3 (3): 29-38
3) Wechseljahre als Chance, Prof. Dr. Marion Kiechle et al., 2003
4) Internetseite der Deutschen Menopausegesellschaft e.V.: https://www.menopause-gesellschaft.de

Beitragsfoto: depositphotos.com @ HighwayStarz

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

1 Gedanke zu „Warum wir Hitzewallungen bekommen und was wirklich hilft“

  1. Meine Wechseljahre haben sich ca ab dem 43.Lebensjahr nur im Kopf abgespielt (stimmungsschwankungen) …
    Mit 53 Jahren wurden die Gebärmutter und ein Eierstock entfernt ,bekam ein Hormongel das mir sehr gut tat .. der erste Versuch es nach 8 Jahren abzusetzen misslang …
    Seit letztem Jahr habe ich es langsam abgesetzt und meine Hitzewallungen sind einfach unerträglich … möchte aber nicht mehr das Gel nehmen ..
    bin trotzdem in der Hoffnung, dass es bald besser wird … ich werde in Kürze 64 Jahre
    Liebe Grüße

    Antworten

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