Testosteron und die Wechseljahre

Testosteron und die Wechseljahre? Heute sind wir dem „Männerhormon“ im Frauenkörper auf der Spur und erkunden gemeinsam die wunderbare Welt dieses Hormons, das eben nicht nur für die Herren der Schöpfung ist. Wusstest Du, dass es für Frauen, ganz besonders für Frauen in den Wechseljahren, einen ganz großen Nutzen hat?
Inhaltsverzeichnis

Der Syntheseweg der Geschlechtshormone

Lass uns zunächst mal schauen, welche Aufgaben das Hormon Testosteron grundsätzlich im menschlichen Körper erfüllt. Viele dieser Aufgaben laufen eben nicht nur beim Mann, sondern auch bei der Frau ab.

Bevor ich Dir darüber mehr erzähle, möchte ich Dir eine kleine Grafik zeigen. Du kannst sehen, in welchen Schritten Progesteron, Cortisol, Testosteron und Östrogen gebildet werden und Du kannst wahrscheinlich erkennen, dass die von mir genannten Hormone aus einer Grundsubstanz, dem Cholesterin, entstehen. Außerdem zeigt diese Grafik, dass wie in einem Flussdiagramm die Hormone auseinander entstehen.

Geschlechtshormone Frauen

Diese Tatsache ist für uns sehr wichtig, denn wie Du sehen kannst, entsteht erst Testosteron und dann bilden sich die Östrogene Estradiol und Estriol. Dieser Weg ist bei Männern und Frauen gleich und nur aufgrund der unterschiedlichen Aktivität der Enzyme, die die Umbildung der Hormone bewirken, ergibt sich eine unterschiedliche Konzentration, eben abhängig vom Geschlecht.

Männer strotzen nur so vor Testosteron

Männer haben ungefähr zehnmal mehr Testosteron in ihrem Körper als Frauen. Im Umkehrschluss haben wir Frauen, normalerweise nur ein Zehntels an Testosteron, das unser Stoffwechsel aktiv nutzen kann.

Testosteron gehört zur Gruppe der sogenannten Androgene. Andere Vertreter sind zum Beispiel das Androstendiol, Androstendion oder auch das Dihdydroepiandrosteron, auch als DHEA bekannt. Gebildet werden diese Hormone beim Mann in den Hoden und der Nebenniere. Bei der Frau bilden die Eierstöcke und die Nebennierenrinde das Testosteron.

Die Aufgaben des Testosterons

Natürlich gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, doch die grundsätzlichen Aufgaben des Testosterons sind gar nicht so verschieden.

Es sorgt für den Muskelaufbau

Testosteron sorgt für den Muskelaufbau, es wird auch als kataboles, also aufbauendes Hormon bezeichnet. Bei Männern kannst Du diese Wirkung häufig beim Bodybuilding beobachten. Wenn Männer intensiv Bodybuilding betreiben, dann nimmt in der Regel auch der Umfang der Muskeln zu. Daran ist das Testosteron sehr stark beteiligt.

Da Frauen wesentlich weniger Testosteron im Blut haben, sind die Auswirkungen natürlich geringer.

Testosteron baut Fett ab

Testosteron ist aktiv am Fettabbau beteiligt. Es wirkt hier praktisch als Gegenspieler zum Östrogen, das auch als Fettspeicherhormon fungiert.

Testosteron macht Lust auf Sex

Das Hormon Testosteron ist außerdem wesentlich am Lustverhalten, also der Libido, beteiligt. Ist also das Hormon zu niedrig – beim Mann wie bei der Frau – geht die Libido flöten und die Lust auf Sex verschwindet.

Testosteron ist wichtig für deine Knochen

Vielleicht waren Dir die obengenannten Aufgaben des Testosterons schon bekannt. Aber wusstest Du, dass Testosteron den Kollagenaufbau der Haut stärkt und damit die Haut straff und widerstandsfähig bleibt? Oder dass es für die Knochendichte wichtig ist, weil es den Knochenaufbau stärkt?

Außerdem ist es ein wichtiges Hormon für die Herzgesundheit, da es dafür sorgt, dass Schäden an den Blutgefäßen schnell repariert werden.

Mit Testosteron im Blut setzt Du Dich leichter durch

Und zum guten Schluss: Testosteron wirkt auf die Psyche. Es stärkt das Selbstbewusstsein und die Durchsetzungsfähigkeit.

Übrigens nimmt unsere Hormonspezialistin Alex jeden Monat ein neues Hormon – wie hier das Testosteron – unter die Lupe. Wenn Du keinen Artikel verpassen möchtest, melde Dich doch einfach für unseren monatlichen Newsletter an. Klick gleich auf´s Banner:

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Progesteronmangel als Ursache für zu wenig Testosteron

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, warum das für Dich als Frau in den Wechseljahren wichtig ist.

Nun, Du weißt, dass die Produktion von Östrogen und Progesteron im Eierstock in den Wechseljahren immer stärker zurückgeht. Das ist ja oft der Grund für die verschiedensten Wechseljahresbeschwerden, wie zum Beispiel Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen.

Zu Beginn dieses Artikels hast Du gesehen, wie Östrogen entsteht. Aus Testosteron. Und das Progesteron ist wiederum die Vorstufe des Testosterons.

Wenn also die Bildung von Progesteron in der Prämenopause zurückgeht, kann es auch passieren, dass die Testosteronbildung absinkt.

Diese Symptome sprechen für einen Testosteronmangel

Die Auswirkungen eines fallenden Testosteronspiegels in den Wechseljahren zeigen sich bei den betroffenen Frauen häufig sehr deutlich in sexueller Unlust. Das heißt die sexuelle Erregung ist minimal und das Erreichen des Orgasmus sehr mühsam.

Häufig klagen diese Frauen auch über eine ständige Müdigkeit, absolute Energielosigkeit und berichten davon, dass sie sich gar nicht mehr belastbar fühlen. Manche Frauen zeigen sogar deutliche Wesensveränderungen. Sie ziehen sich zurück, haben mit einem sinkenden Selbstwertgefühl zu kämpfen. Diese körperlichen und mentalen Veränderungen können schließlich, verstärkt durch den Testosteronmangel sogar zu depressiven Verstimmungen, bis hin zur manifesten Depression führen.

Außerdem fällt Frauen oft auf, dass sie weniger (Muskel-)Kraft haben, die Gelenke beginnen zu schmerzen oder sie merken, dass sie nicht mehr so schwer wie früher tragen können.

Sobald das Testosteron nicht mehr ausreichend vorhanden ist, wirkt sich das negativ auf das Wohlbefinden der Frau (und nur ganz nebenbei: natürlich auch auf ähnliche Weise auf den Mann) aus.

Testosteron wird auch NACH den Wechseljahren im Eierstock produziert

Übrigens: Anders als bei der Bildung von Östrogen produzieren die Eierstöcke auch nach dem Ende der Wechseljahre immer noch eine geringe Menge Testosteron.

Müssen Eierstock oder Eierstöcke vorzeitig entfernt werden, fällt der Testosteronspiegel um bis zu 50 Prozent ab und kann damit die Wechseljahresbeschwerden deutlich verstärken oder verlängern. Damit sollte eine Entfernung der Eierstöcke nicht leichtfertig geschehen, da sie zwar nach den Wechseljahren kein Östrogen und Progesteron mehr produzieren, aber noch aktiv Testosteron herstellen.

So kannst Du Deinen Testosteronmangel ausgleichen

Tipp #1 Ran an die Gewichte

Jepp, jetzt bin ich vielleicht ein wenig die Spielverderberin, doch ich meine es ernst! Gebrauche Deine Muskeln. Beanspruche Deine Muskeln, indem Du sie gezielt trainierst. Das heißt allerdings nicht, dass Du Dich jeden Tag in die Muckibude quälen sollst. Und es heißt auch nicht, dass Du Dich aufpumpen sollst, wie Arnold Schwarzenegger.

Es soll heißen, dass ein gezieltes Krafttraining, zum Beispiel mit Gummibändern (wie Thera®-Bänder), Deine einzelnen Muskelgruppen gezielt ansprechen kann. Auch eine hochintensive Trainingseinheit à la HIIT-Training kann den Testosteronspiegel ansteigen lassen.

In diesen Trainingseinheiten wird der Muskel aktiv angeregt. Diese Stoffwechselanregung ist das Signal für den Körper, Testosteron zu produzieren und damit steigt über die Belastung des Körpers und der Muskeln automatisch wieder dein Testosteronspiegel.

Tipp #2 Geh raus und tanke Vitamin D

Vitamin D ist zusammen mit Zink, Magnesium und den B-Vitaminen an der Bildung von Testosteron beteiligt. Wenn also einer dieser wichtigen Stoffe fehlt, kann kein Testosteron mehr gebildet werden.

Außerdem kann es sein, dass bei einem Vitamin-D-Mangel das Enzym, das für die Umbildung von Testosteron in Östrogen verantwortlich ist, aktiver wird und damit mehr Östrogen gebildet wird und so ein Testosteronmangel entstehen kann.

In der dunklen Jahreszeit ist es in manchen Regionen Europas also nicht verkehrt, Vitamin D als Nahrungsergänzung zu sich zu nehmen, da sich das Sonnenlicht meist im Winterschlaf befindet. Sobald sich die Sonne dann wieder regelmäßiger und länger zeigt, heißt es raus ins Sonnenlicht.

Hier wäre zu beachten, dass die Haut, sobald sie mit Sonnenschutzfaktor bedeckt ist, kein Vitamin D mehr bilden kann. Meine Empfehlung wäre also, möglichst für etwa 15 bis 30 Minuten direkten Hautkontakt mit der Sonne, damit die Sonne die körpereigene Bildung von Vitamin D aktiviert.

Was hältst Du denn von dieser Idee: Du tankst Vitamin D und bist gleichzeitig sportlich aktiv, indem Du draußen an der frischen Luft bei Sonnenlicht Sport treibst. Damit steigt schon fast automatisch dein Testosteronwert wieder.

Tipp # 3 Vermeide Stress und schlafe ausreichend

Ich weiß, ich weiß! Ich komme mir schon selbst vor, wie eine kaputte Schallplatte. Immer wieder erzähle ich Dir vom Stress. Warum? Weil Du, wenn Du Dir die Grafik oben nochmal genauer ansiehst, vermutlich gesehen hast, dass das Cortisol ebenfalls aus Progesteron entsteht.

Wenn Du unter Dauerstrom stehst, wird Dein Körper alles tun, um diesem Stress zu begegnen. Das heißt, er wird möglicherweise dafür sorgen, dass aus dem Progesteron mehr Cortisol gebildet wird. Damit bleibt für die Bildung von Testosteron und den Östrogenen weniger Progesteron übrig. Der Testosteronspiegel sinkt also.

Cortisol wird vermehrt bei Stress ausgeschüttet. Wenn Du also Dein Stresslevel verringerst, hat Dein Körper weniger Bedarf an Cortisol. Was Du alles tun kannst, um den Stress zu vermindern, kannst Du detailliert in diesem Artikel von mir nachlesen.

Außerdem solltest Du wissen, dass ein gesunder Schlaf ebenfalls Dein Stresslevel reduziert. Damit Du gut und lange schlafen kannst, muss Dein Körper Melatonin bilden. Das ist Dein Schlafhormon. Allerdings kann das Melatonin nur vom Körper gebildet werden, wenn Dein Cortisollevel sehr niedrig ist.

Wenn Du kurz vor dem Einschlafen immer noch unter Dampf stehst und gar nicht runterkommst, empfehle ich Dir eine sogenannte Schlafroutine. Dabei solltest Du Dich mindestens eine Stunde vor dem Schlafen gehen nicht mehr dem blauen Licht von PC oder Handy aussetzen. Je dunkler es für Dich ist, desto besser kann Dein Körper Melatonin ausschütten.

Außerdem solltest Du dafür sorgen, dass Du durch Meditation, Lesen oder Journaling zur Ruhe kommst und Deinem Körper und Geist signalisiert, dass Schlafenszeit ist.

Tipp #4 Iss gesund und ausgewogen

Die Spurenelementen ZinkMagnesium und die B-Vitamine habe ich bereits weiter oben erwähnt. Sie sind bei der Synthese von Testosteron sehr wichtig.

Mit einer ausgewogenen Ernährung kannst Du viele Mangelzustände ausgleichen und dafür sorgen, dass Hormone wieder im ausreichenden Maß gebildet werden können.

Zinkreiche Lebensmittel sind zum Beispiel, Weizenkleie, Kakaopulver, Kürbiskerne, Leinsamen, Rindfleisch, Haferflocken und Linsen. Magnesium findest du auch in Kakaopulver und Leinsamen, aber auch in Hülsenfrüchten, Nüssen, Spinat und Beeren.

Und weißt Du was? Die von mir aufgezählten Lebensmittel enthalten gleichzeitig auch viele B-Vitamine, die Du ebenfalls für die Produktion von Testosteron brauchst.

Hormonpodcast

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Du siehst, Du kannst Deine Gesundheit wieder selbst in die Hand nehmen. Du kannst die Produktion des Testosterons mit einfachen Maßnahmen wie Bewegung, gesunder Ernährung und Stress“mangement“ positiv beeinflussen.

Genau dazu möchte ich Dich mit meinen Artikeln motivieren. Probiere aus, was für Dich passt und finde Deinen ganz persönlichen Weg raus aus dem Hormonchaos der Wechseljahre, zurück in ein energievolles und aktives Leben.

Liebe Leserin, ich wünsche Dir viel Erfolg dabei. Und solltest Du Fragen haben, dann nutze den Kommentarbereich unter diesem Artikel, um Deine Fragen los zu werden. Ich antworte Dir auf jeden Fall.

Herzlichste Grüße schickt Dir,

Deine Alex

Beitragsbild: depositphotos.com @ logoboom

Alle Aussagen und Empfehlungen in diesem Artikel sind sorgfältig recherchiert und für gesunde Frauen gedacht. Unsere Beiträge bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und es wird keine Haftung übernommen. Auf jeden Fall solltest Du Dich in deinen Wechseljahren regelmäßig mit deinem Gynäkologen besprechen, gegebenenfalls auch mit Endokrinologen und Heilpraktiker.

3 Gedanken zu „Testosteron und die Wechseljahre“

    • Hallo liebe Heike,

      ja genau, du hast es so gut erkannt. Es hängt alles zusammen. Und es lohnt sich ALLES anzusehen und dann auch ggf. zu „behandlen“. Einzellösungen sind oft nicht zielführend.

      Ganz liebe Grüße,

      deine Alex

      Antworten

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